Fr., 13.03.2026 , 11:18 Uhr

Nicht jede Braut will für ein Kleid, das nur einen Tag getragen wird, ein kleines Vermögen ausgeben.

Secondhand statt Schrankleiche - Wenn Brautkleider ein zweites Mal „Ja“ sagen

Chemnitz- Hochzeitskleider stehen für große Gefühle – und oft auch für große Preise. Doch nicht jede Braut will für ein Kleid, das nur einen Tag getragen wird, ein kleines Vermögen ausgeben. In Chemnitz setzt eine Geschäftsidee nun auf Secondhand vor dem Traualtar.

Tüll, Tränen und die alles entscheidende Frage: Was trage ich zur Hochzeit? Brautmoden-Shows haben die Suche nach dem perfekten Kleid längst zum Quotenhit gemacht. Etliche Menschen fiebern mit, wenn zwischen Spitze, Satin und strategisch platzierten Taschentüchern endlich „das eine Kleid“ gefunden wird – und zuverlässig jemand schluchzt. Nur ein Detail sorgt manchmal dafür, dass die Tränen schnell wieder trocknen: das Preisschild. Denn der Stoff, aus dem die Hochzeitsträume sind, kostet gern mal vierstellig – für ein Kleid, das oft nur wenige Stunden getragen wird. Genau hier beginnt die Geschäftsidee von Maria Weise. In ihrem Brautmodenladen in Chemnitz bekommen Hochzeitskleider eine zweite Chance. Die Roben auf den Kleiderstangen warten nicht auf ihren ersten großen Auftritt – sie hatten ihn schon. Und hoffen nun auf die Zugabe.

Die Idee dazu kam Maria Weise auf dem heimischen Sofa. Ein TV-Format über Brautmode gab schließlich den Anstoß für die ungewöhnliche Geschäftsidee. Die Gründe, warum Bräute ihr Kleid weitergeben, sind laut Weise ganz unterschiedlich. Klar, Geld spiele eine Rolle. Manchmal sei es aber auch schlicht der Kleiderschrank, der räumlich nicht mehr hergebe. Ein Kleid im Laden gehörte einmal Karina Böhme. Sich davon zu trennen, sei ihr nicht schwergefallen. Erinnerungen brauche man schließlich nicht unbedingt auf einem Bügel im Schrank – und schöner werde Stoff im Dunkeln auch nicht. Ganz anders ist die Situation bei Fanny Kündige. Die vierfache Mutter plant im Sommer ihre Hochzeit – und ein gebrauchtes Kleid kommt für sie absolut infrage. Das spare Ressourcen und Geld. Und Letzteres könne man schließlich auch sehr gut in andere Dinge investieren. Für sie ist es übrigens der zweite Termin vor dem Standesamt. Ihr erstes Hochzeitskleid hätte sie ebenfalls gern weitergegeben, notfalls auch unentgeltlich. Hauptsache, es macht noch einmal jemanden glücklich. Allerdings hat der Stoff inzwischen zu viele Jahre auf dem Buckel – die Kleider im Secondhand-Shop dürfen höchstens fünf Jahre alt sein. Kein Grund, den Kopf hängen zu lassen: Denn Frau Kündige hat dafür ihr neues Kleid zum echten Schnäppchenpreis gefunden.

Den Traum in Weiß können wir allerdings nicht zeigen – der Bräutigam soll schließlich noch überrascht werden. Nur so viel verrät Ladeninhaberin Maria Weise: Am besten verkaufen sich schlichte Modelle. Zu viel Tüll sei manchmal einfach zu viel Tüll. Und ein Match im Laden ist übrigens noch keine Garantie für die Hochzeit – es sei auch schon vorgekommen, dass der Traum in Weiß quasi ungetragen wieder im Laden von Maria Weise landete. Am Ende gilt also: Liebe kann man nicht kaufen – ein Hochzeitskleid allerdings schon. Und mit einem Secondhand-Modell lässt sich dabei ordentlich Geld sparen. Vor allem, wenn der Traum in Weiß nach dem großen Tag nicht im Schrank einstaubt, sondern einfach auf seinen nächsten Auftritt wartet – und so noch einmal Geld in die Hochzeitskasse spült.