Di., 12.08.2025 , 17:27 Uhr

Vom Schmuddel-Laden zum Shopping-Trend

Secondhand und Vintage boomen

Second-Hand und Vintage sind längst mehr als nur eine nachhaltige Alternative – sie sind ein echter Trend. Von einst schmuddeligen Läden zu beliebten Modezielen. Wie dieser Wandel in Leipzig aussieht, weiß Nane Neuhaus.

Seidenblusen im Retro-Print, Jeans aus den 80ern, schimmernde Y2K-Glitzer-Tops – Secondhand- und Vintage-Mode erlebt einen echten Boom. Was früher nach „gebraucht“ klang, ist heute ein unverzichtbarer Trend, der immer mehr Menschen in die Secondhand-Läden zieht. Wir waren bei Nane Neuhaus in einem Leipziger Shop zu Besuch, der vor drei Jahren seine Türen öffnete.

Für Nane Neuhaus, die in einem Atelier aufwuchs, war die Eröffnung ihres eigenen Secondhand-Geschäfts mehr als ein beruflicher Schritt – es war eine sehr persönliche Entscheidung.

Ich beschäftige mich mit Mode schon mein ganzes Leben lang, weil ich in einem Atelier groß geworden bin. […] Und ich habe ab 19, würde ich sagen, 70 Prozent meines eigenen Kleiderschranks nur mit Secondhand- und Vintage-Klamotten bestückt,

erklärt sie. Der Wandel in der Nachfrage ist für die Inhaberin unübersehbar. Ihr Laden begann in Gohlis und ist nun seit anderthalb Jahren im Zentrum von Leipzig zu Hause.

Es ist ein Unterschied, ob man irgendwo in einem Stadtteil ist oder mitten in der City. Hier haben wir viel mehr Laufkundschaft und vor allem ein jüngeres Publikum, ab etwa 14 Jahren,

so Neuhaus. Besonders der Y2K-Style, inspiriert von Ikonen wie Britney Spears, ist bei Jugendlichen wieder voll im Trend.

Doch was macht Secondhand heutzutage so beliebt? Nane Neuhaus nennt nicht nur den Nachhaltigkeitsgedanken und den Wunsch, Geld zu sparen, sondern vor allem das Streben nach Individualität.

„Bei Y2K bekommt man Stücke, die man heutzutage einfach nicht mehr bekommt. Jeans mit Bling-Bling oder auffällige Teile aus den 2000ern – die sind besonders gefragt, weil sie so einzigartig sind. Und der Trend, Secondhand zu kaufen, hat sich von der ‚Schmuddelecke‘ entfernt, in die es früher oft abgedriftet ist. Die Klamotten sind heute gewaschen, gepflegt und sehen frisch aus,

erklärt sie. Eine Studie von Momox Fashion (momox Second Hand Report fashion 2024) aus dem Jahr 2024 bestätigt: Rund 50 Prozent der Befragten kaufen Secondhand-Kleidung, um ausgefallene Einzelstücke zu finden, sich individuell zu kleiden und bewusst dem Mainstream zu entkommen. Dabei spielt auch Social Media eine große Rolle.

TikTok und Instagram haben definitiv einen Einfluss. Vor allem TikTok hat Trends in die Richtung gebracht, wo man plötzlich Sachen trägt, die man vor ein paar Jahren noch nie getragen hätte. Influencer setzen da oft die Impulse,

sagt Neuhaus.

Wie lange dieser Trend anhält, lässt sich nicht vorhersagen. Doch Nane Neuhaus ist zuversichtlich, dass das Interesse an Secondhand-Läden auch langfristig bestehen bleibt.