Di., 01.09.2026 , 18:01 Uhr

Dermatologin und Apothekerin erklären, worauf es im Herbst ankommt

Sommer vorbei, UV-Schutz auch?

Der Herbst beginnt, doch UV-Strahlung bleibt. Zwei Leipziger Expertinnen erklären, wann Sonnenschutz weiter wichtig ist.

Mit dem meteorologischen Herbstanfang am 1. September ändert sich für viele auch die tägliche Routine. Die Tage werden kürzer, die Temperaturen sinken und die Sonnencreme verschwindet langsam wieder im Schrank. Bei einer Straßenumfrage in Leipzig zeigt sich: Ob Sonnenschutz benutzt wird, machen viele vor allem vom Wetter oder von der Jahreszeit abhängig.

„Also im Herbst kommt das für mich nicht mehr in Frage“, sagt ein Passant. Ein anderer entscheidet noch unmittelbarer: „Ich gucke in den Himmel. Tatsächlich.“

Doch reicht das als Orientierung? Und bedeutet das Ende des Sommers tatsächlich auch das Ende des UV-Schutzes?

UV-Strahlung nimmt ab, verschwindet aber nicht

Die Leipziger Dermatologin Marion Baegel arbeitet seit 30 Jahren in eigener Praxis. Sie erklärt: Mit dem Herbst verändern sich die Bedingungen tatsächlich. Die Tage werden kürzer und die Sonne steht nicht mehr so hoch am Himmel. Dadurch müssen die Sonnenstrahlen einen längeren Weg durch die Atmosphäre zurücklegen und werden abgeschwächt.

Völlige Entwarnung bedeutet das aus ihrer Sicht jedoch nicht. Vor allem UV-A-Strahlung sei ganzjährig vorhanden und könne auch Wolken und Glasscheiben durchdringen. Sich allein daran zu orientieren, ob ein Sonnenbrand droht, greife deshalb zu kurz.

Sonnenlicht hat dabei grundsätzlich zwei Seiten. Einerseits unterstützt es unter anderem die Vitamin-D-Bildung. Andererseits kann UV-Strahlung das Erbgut der Hautzellen schädigen.

„Die Haut vergisst nichts“

Als Hautärztin erlebt Baegel auch die langfristigen Folgen der UV-Belastung. Besonders anschaulich beschreibt sie diese mit einem „UV-Konto“.

„Sie zahlen mit jedem Sonnenstrahlein auf Ihr UV-Konto und die Haut vergisst nichts“, sagt Baegel. Es handele sich um einen Summationseffekt: Je länger, häufiger und intensiver die Haut der Sonne ausgesetzt werde, desto größer werde die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens an Hautkrebs zu erkranken.

Neben dem Krebsrisiko kann UV-Strahlung nach Angaben der Dermatologin auch die elastischen Fasern der Haut schädigen und damit langfristig die Hautalterung und Faltenbildung fördern.

Besonders aufmerksam sollten aus ihrer Sicht Kinder sowie Menschen mit sehr heller Haut sein. Sie verfügen über einen geringeren natürlichen Eigenschutz gegenüber der Sonne.

Was bedeutet Lichtschutzfaktor 30 oder 50?

Dass Sonnencreme schützen soll, ist den meisten Leipziger Passanten in unserer Umfrage klar. Schwieriger wird es bei der Frage, was die Zahl auf der Verpackung tatsächlich bedeutet.

„50 ist besser wie 30, vom Lichtschutzfaktor her. Schützt besser“, fasst es ein Befragter zusammen.

Was genau dahintersteckt, erklärt Apothekerin Anke Groitzsch, Inhaberin der Lipsia-Apotheken in Leipzig. Der Lichtschutzfaktor gibt an, um welchen Faktor sich die Eigenschutzzeit der Haut verlängert. Entscheidend sei allerdings, dass auch genügend Sonnenschutzmittel aufgetragen werde.

Und genau daran scheitere es im Alltag häufig.

„Ich brauche für einen Erwachsenenkörper 30 bis 40 Milliliter Sonnencreme. Das sind drei bis vier Esslöffel. Das ist eine Menge“, erklärt Groitzsch.

Nachcremen hängt von der Situation ab

Auch die Frage, wie häufig nachgecremt werden muss, lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend sei, was im Laufe des Tages mit dem Schutzfilm auf der Haut passiert.

Wer schwimmt, stark schwitzt, Sport treibt oder durch Kleidung und Bewegung Sonnencreme abreibt, sollte laut Groitzsch erneut nachcremen. Wer dagegen morgens Sonnenschutz aufträgt und anschließend nur für kurze Zeit draußen ist, müsse nicht automatisch mehrfach am Tag nachlegen.

Als Orientierung für die Frage, ob Schutz nötig ist, nennt die Apothekerin außerdem den UV-Index. Ab einem Wert von drei empfiehlt sie Sonnenschutz. Auch Hauttyp und Aufenthaltsdauer im Freien spielten eine Rolle.

Auch Medikamente können die Haut empfindlicher machen

Ein weiterer Faktor wird nach Erfahrung der Apothekerin häufig übersehen: Medikamente. Einige Präparate können die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen.

Groitzsch nennt unter anderem bestimmte Entwässerungsmittel aus der Blutdrucktherapie sowie einige Antibiotika. Bei Menschen, die entsprechende Medikamente einnehmen, könne die Haut empfindlicher auf Sonnenlicht reagieren. Bei Unsicherheit empfiehlt sie, die Hinweise im Beipackzettel zu beachten und sich beraten zu lassen.

Nicht allein nach dem Kalender entscheiden

Der meteorologische Herbst bedeutet damit nicht, dass Sonnencreme von einem Tag auf den anderen überflüssig wird. Gleichzeitig ist die UV-Belastung im Herbst nicht dieselbe wie an einem Hochsommertag.

Entscheidend sind vielmehr die tatsächliche Strahlung, der eigene Hauttyp, die Aufenthaltsdauer im Freien und individuelle Faktoren wie bestimmte Medikamente.

Oder anders gesagt: Ob Eis am Stiel oder Zimtschnecke – der Kalender allein schützt die Haut jedenfalls nicht.