Chemnitz- Speed-Dating mal anders: Statt um die große Liebe geht es hier um den passenden Ausbildungsplatz. Aber auch da zählt der erste Eindruck.
Kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres trafen beim „Speed Connect“ rund 50 Schülerinnen und Schüler auf 19 Unternehmen aus Chemnitz und der Region. Und das nicht im Büro oder auf einer klassischen Ausbildungsmesse, sondern während einer gemeinsamen Zugfahrt. Organisiert wurde das Speed Connect von der IHK Chemnitz und der Agentur für Arbeit. Das Format feierte in diesem Jahr Premiere. Für Gabriele Hecker, Geschäftsführerin Bildung der IHK Chemnitz, eine Gelegenheit, bei der Berufsorientierung etwas Neues auszuprobieren.
Einsteigen, miteinander reden – und wenn es nicht passt, geht es zum nächsten Gespräch. Rund 20 Minuten hatten die Jugendlichen pro Gespräch, danach wurde gewechselt. Bis zu drei Unternehmen konnten sie so während der Fahrt kennenlernen. Statt Bewerbungsmappe und klassischem Fragenkatalog stand zunächst das persönliche Kennenlernen im Mittelpunkt. Für Sylvia Hirschberg von der Berufsberatung liegt genau darin der Vorteil des Formats.
Und das zu einem Zeitpunkt, an dem längst noch nicht alle Ausbildungsplätze vergeben waren. Kurz vor dem Start ins neue Ausbildungsjahr gab es in Chemnitz auf der einen Seite noch freie Stellen – auf der anderen Jugendliche ohne Vertrag. Dass beide Seiten trotzdem nicht automatisch zusammenfinden, liegt auch an unterschiedlichen Vorstellungen. Nicht jeder freie Beruf passt zu den Interessen der Jugendlichen. Und nicht jeder Bewerber erfüllt das, was ein Unternehmen sucht.
Genau diese Lücke sollte Speed Connect ein Stück weit schließen. Und dafür war die Auswahl breit: vom Bau über Metall und Elektro bis hin zu kaufmännischen Berufen. Doch nicht nur die Jugendlichen mussten einen guten ersten Eindruck hinterlassen. Auch die Unternehmen hatten nur wenig Zeit, um zu zeigen, was sie als Arbeitgeber zu bieten haben. Denn Kennenlernen funktioniert in beide Richtungen: Während die Jugendlichen herausfinden wollen, welcher Betrieb und welcher Beruf zu ihnen passen, schauen die Unternehmen darauf, wer ihnen gegenübersitzt. Dabei geht es nicht nur um Noten oder den Lebenslauf. Motivation, Offenheit und echtes Interesse waren für die Unternehmen mindestens genauso wichtig.
Beim Speed-Dating steht am Ende die Frage: Wiedersehen oder nicht? Beim Speed Connect heißt es eher: Bewerbung oder weiter zum nächsten Unternehmen. Inzwischen ist das neue Ausbildungsjahr gestartet. Für einige Jugendliche war die Fahrt damit noch einmal die Chance, vielleicht kurzfristig einen Ausbildungsplatz zu finden. Für andere ging der Blick schon weiter: Beim Speed Connect konnten sie erste Kontakte für das kommende Ausbildungsjahr knüpfen.