Als eine der ersten beschreiben Johanna M. und ihr Mann die Geburt ihrer ersten Tochter dort als besonders bewegend:
Es war ein ganz intensives Erlebnis… ich hab mich gefühlt, als wäre ich dabei und würde nicht einfach nur daneben sitzen
Genau diese Erfahrung soll der neue Raum ermöglichen: mehr Einbindung, mehr Körpergefühl, mehr Selbstbestimmung.
Der BE UP-Kreißsaal erinnert eher an einen Bewegungsraum als an einen klassischen Geburtsort. Statt Bett stehen hier Matten, Hocker, Tücher, Blöcke und flexible Module bereit, die beliebig kombiniert werden können. Frauen können während der Geburt sitzen, stehen, knien oder sich am Tuch abstützen – jederzeit.
Leitende Hebamme Jacqueline Hildesheim erklärt:
Wir wollen das Paar fördern… durch die Elemente kann man selbstbestimmt die Geburt mitgestalten und die Position variieren.
Auch medizinisch bringt die Methode Vorteile, sagt Ulrike Heider, Oberärztin des Kreißsaals.
Die aufrechte Haltung könne das Becken weiten und den Geburtsverlauf beschleunigen. Zudem unterstütze die Schwerkraft den natürlichen Prozess – was oft zu einer höheren Rate an spontanen Geburten führe.
Trotz der vielen Freiheiten bleibt Sicherheit oberstes Gebot. Das klassische Geburtsbett steht weiterhin im Raum – nur seitlich, als Plan B.
Das Sicherheitsgefühl ist natürlich auch da.
so Hildesheim.
Der Raum wirkt bei Geburten bewusst gemütlich: gedimmtes Licht, beruhigende Düfte und auf Wunsch Musik. Eine Atmosphäre, die entspannen soll – ein entscheidender Faktor, wie die Hebamme betont:
Entspannung ist wichtig für die Frau.
Die erste Geburt war auch für das Team ein emotionaler Moment. Die Hebammen freuten sich auf die neuen Möglichkeiten und erlebten die Einführung des Raumes als kleinen Neustart.
Überraschend breit ist die Zielgruppe: Auch Frauen nach Kaiserschnitt, mit größeren oder kleineren Babys oder besonderen Vorgeschichten können – sofern medizinisch sicher – von den aufrechten Positionen profitieren.
Nur bei akuten Komplikationen wird auf die klassischen Methoden umgestellt.
Der BE UP-Kreißsaal erweitert das bestehende Angebot – er ersetzt nichts.
Auch die anderen Räume bieten Möglichkeiten für eine aktive, aufrechte Geburt: von Sprossenwand über Romarad bis zu zwei großen Gebärwannen.
Oberärztin Heider hofft, dass der neue Ansatz Ängste vor der Klinikgeburt reduziert – und vielleicht Modellcharakter für andere Häuser in Sachsen bekommt.
Im St. Georg Leipzig beginnt damit ein modernes Kapitel der Geburtshilfe – eines, das Frauen mehr Freiheit, Ruhe und Selbstbestimmung schenken soll.