Chemnitz- Ein Bein weniger wie Emmi oder völlig stachellos wie Manfred – so kommen viele Igel bei Angela Reif an. Die Chemnitzerin ist keine Tierärztin, sondern eine, die einfach anpackt: ehrenamtlich, engagiert und mit ganzem Herzen. Seit Jahren päppelt sie verletzte Wildtiere auf – bei sich zu Hause. Und das ganz ohne staatliche Hilfe, aber mit umso mehr Hingabe.
Der hatte ein komplett zertrümmertes Hinterbein, das mussten wir amputieren. Und die Stacheln sind auch fast weg. Das heißt: raus in die Freiheit geht erst, wenn alles nachgewachsen ist. Bis dahin heißt’s regelmäßig baden, medizinisch versorgen – und Daumen drücken. Ein Anblick, der Angela trotz Erfahrung immer noch nahe geht. Was aussieht wie eine kleine Tierpension, ist in Wirklichkeit ein Fulltime-Job. Der Tag beginnt um 4:30 Uhr – noch vor dem ersten Kaffee wird gecheckt, wer gefressen hat, wer nicht, wer Medikamente braucht oder wer den Napf ignoriert, weil das Menü nicht passt. Danach: Arbeit. Und nach Feierabend? Wieder zurück zu elf kleinen Patienten mit Anspruch.
Die Gründe für die vielen Verletzungen? Fast immer menschengemacht: Gartengeräte, Autos – und Mähroboter. Die modernen Helfer sind in vielen Gärten Dauergäste – aber leider ohne Rücksicht auf kleine nachtaktive Tiere. Besonders schlimm: Roboter, die nachts laufen. Denn kranke, geschwächte oder junge Igel sind dann unterwegs – und werden oft schwer verletzt oder verstümmelt. Trotz aller Mühe: Nicht jeder Igel schafft es. Rund ein Viertel überlebt die Pflegezeit nicht. Aber drei von vier werden wieder gesund – und dürfen zurück in die Freiheit. Möglichst genau dort, wo sie gefunden wurden. Denn Igel sind reviertreu und kennen sich aus.
Helfen kann fast jeder: Wer einen verletzten Igel findet, sollte ihn sichern – in einem Karton, mit Handtuch, warmhalten – und sofort eine Pflegestelle kontaktieren. Kein Futter, kein Wasser – das kann mehr schaden als nützen.