Di., 03.02.2026 , 16:32 Uhr

Rund 1,6 Millionen Euro sollen in den Bau eines Elektrolyseurs sowie in die Umrüstung der Leitungsinfrastruktur auf Wasserstoff fließen.

Startnetz statt Kernnetz: Förderbescheid für Wasserstoffforschung in Chemnitz übergeben

Chemnitz- Mehr Geld für die Wasserstoff-Strategie in Chemnitz: Der Freistaat Sachsen stellt rund 1,6 Millionen Euro für zwei konkrete Projekte bereit. Finanziert werden ein Elektrolyseur am Wasserstoff-Campus sowie die Umrüstung bestehender Gasleitungen auf Wasserstoffbetrieb.  Was nach wie vor fehlt - ein Anschluss ans Wasserstoffkernnetz.

Chemnitz hat keinen Marathon, keine Fernbahnanbindung – aber eines von vier Wasserstoff-Forschungszentren der Bundesrepublik. Was gut klingt, hat allerdings einen Haken: Es kam bislang nur schleppend voran. Der Knackpunkt, ebenso wie auf der Schiene – die Anbindung. Zwar soll im einstigen „Sächsischen Manchester“ künftig intensiv geforscht werden, doch woher der benötigte Wasserstoff kommen soll, ist bislang offen. Das große bundesweite Wasserstoff-Kernnetz, das künftig das kleinste Element des Periodensystems transportieren soll, wird nach aktuellem Stand nicht bis nach Chemnitz führen – ein klarer Wettbewerbsnachteil, denn die anderen Innovationszentren erhalten direkten Zugang zur Energiequelle. Trotz allem werden am Versuchsfeld die Köpfe nicht in den Sand gesteckt. Es tut sich was: Zwar nicht mit Hilfe vom Bund, sondern mit Geldern des Freistaates Sachsen und der Europäischen Union. Insgesamt wurden nun Förderbescheide an die Geschäftsführung der Eins Energie in Sachsen übergeben. Rund 1,6 Millionen Euro sollen in den Bau eines Elektrolyseurs sowie in die Umrüstung der Leitungsinfrastruktur am Standort von Erdgas auf Wasserstoff fließen. Laut Staatssekretär Sören Trillenberg soll damit die regionale Wertschöpfung im Zukunftsfeld Wasserstoff gestärkt werden.

Für Geschäftsführer Roland Warner ist die Investition der richtige Schritt – auch wenn sich die wirtschaftlichen Effekte noch nicht konkret beziffern lassen. Als Energieversorger müsse man sich mit neuen Technologien befassen. Pionierarbeit gehöre gewissermaßen zur ingenieurtechnischen DNA des Unternehmens. Das Chemnitzer Startnetz könne man auch als Zeichen nach Berlin verstehen: Mit dem Aufbau eines lokalen Netzes zeige die Region schon heute ihre Bereitschaft und den Willen, das Thema Wasserstoff am Standort voranzubringen.

Dass sich Eins Energie so engagiert, ist aus Sicht von Welf-Guntram Drossel ein wichtiges Zeichen. Für den geschäftsführenden Institutsleiter am Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik bringe Pioniergeist Dinge voran. Dass in Chemnitz Politik, Wirtschaft und Forschung traditionell eng zusammenarbeiten, könne außerdem dafür sorgen, dass die Wertschöpfungskette vor Ort geschlossen und damit auch genutzt wird.

Wasserstoff ist für den Freistaat ein strategisches Zukunftsthema – auch wirtschaftlich. Doch so groß die Erwartungen auch sind: Die Technologie rund um das kleinste Element im Periodensystem ist kein Wundermittel. Sie ist ein Baustein – einer von mehreren, die es braucht, um die großen Zukunftsfragen zu beantworten. Mit der Übergabe der Förderbescheide wird das Thema nun weiter vorangetrieben – zunächst auch ohne Hilfe vom Bund, auf die alle Beteiligten allerdings nach wie vor hoffen.