Di., 24.03.2026 , 15:17 Uhr

Mit Tätowiererin Luise hinter den Kulissen

Stich für Stich zum neuen Ich: Wie entsteht ein neues Tattoo?

Tattoos sind mehr als Körperschmuck. In Leipzig zeigt Tätowiererin Luise, wie sie entstehen – und was sie mit Menschen machen.

Vom Zufall zum Beruf

Tätowiererin Luise Kubik arbeitet in einem Künstler-Space im Leipziger Osten. Dass sie heute Tattoos sticht, war lange nicht geplant.

„Ich habe mir Tinder runtergeladen und darüber einen Tätowierer kennengelernt“, erzählt sie. Was als Experiment beginnt, wird schnell zur Leidenschaft. Nach einem Jahr Übung entscheidet sie: Tätowieren soll ihr Beruf werden.

Heute ist es für sie mehr als ein Job – es ist Kunst.

So entsteht ein Tattoo

Bevor die Nadel die Haut berührt, beginnt alles mit Vorbereitung. Hygiene spielt dabei eine zentrale Rolle.

„Alles muss möglichst steril sein“, sagt Luise. Nadeln und Farbtöpfe sind Einwegprodukte, wieder verwendbare Utensilien werden sorgfältig geschützt.

Auch die Haut wird vorbereitet: rasiert, gereinigt und desinfiziert. Selbst kleinste Härchen können später zu Entzündungen führen.

Erst dann kommt die Maschine zum Einsatz. Sie sticht tausendfach pro Minute in die Haut und bringt die Farbe in die sogenannte Lederhaut ein – dort bleibt sie dauerhaft sichtbar.

Entscheidend ist dabei die richtige Tiefe:
„Das sind so 1,5 bis 3 Millimeter“, erklärt Luise. Zu flach gestochen, verblasst das Tattoo. Zu tief – es kann verlaufen.

Nach dem Stechen beginnt die Heilung. Die Haut muss gepflegt werden – denn das Ergebnis zeigt sich erst Wochen später.

Mehr als nur ein Bild auf der Haut

Für Luise ist Tätowieren mehr als Handwerk.

„Ich würde sagen, es hilft ihnen psychisch“, sagt sie. Viele Kundinnen und Kunden entscheiden sich bewusst dafür, ihren Körper zu verändern – und oft auch ihr Selbstbild.

Ein Tattoo verändert auch den Blick auf sich selbst

Eine von ihnen ist Michelle. Sie lässt sich heute ihr neuntes Tattoo stechen.

„Ich habe Motive, die ich mich vorher nie getraut hätte“, erzählt sie.

Für sie sind Tattoos mehr als nur eine äußerliche Veränderung – sie beeinflussen auch, wie sie sich selbst sieht.

„Ich war früher immer so angepasst […] und fühl mich seitdem einfach viel freier.“