Chemnitz- Stillen – in der Stadt, im Café oder im Einkaufszentrum. Für manche offenbar noch immer ein Grund, sich einzumischen oder böse Blicke zuzuwerfen. Die Fotoaktion „Ich still, wo ich will“ möchte genau das ändern: Sie macht das Stillen in der Öffentlichkeit sichtbar und setzt ein Zeichen dafür, dass Mütter ihr Kind stillen können, ohne sich dafür verstecken zu müssen. Wir haben die Aktion in Chemnitz begleitet.
Blicke, Kommentare und sogar ein Rausschmiss aus einem Einkaufszentrum – all das haben stillende Mütter in der Öffentlichkeit bereits erlebt. Genau hier setzt die Aktion "Ich still, wo ich will" an. Fotografin Anika Krickl möchte durch die Portraitaufnahmen das Stillen im öffentlichen Raum sichtbar machen und zeigen: Mütter müssen sich dafür weder rechtfertigen noch verstecken.
Die Idee dazu hatte Sirid Böhm Anfang 2025. Sie beobachtete, dass viele Frauen unsicher sind, wo sie ihr Kind in der Öffentlichkeit stillen können – und sich aus Angst vor Blicken oder Kommentaren lieber zurückziehen. Für Böhm geht es dabei um mehr als einen unangenehmen Moment. Wenn Mütter überlegen müssen, wo sie ihr Kind versorgen können, kann das aus ihrer Sicht auch ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben einschränken. Gemeinsam mit Fotografin Anika Krickl entstand deshalb die Idee, stillende Frauen genau dort zu porträtieren, wo ihr Alltag stattfindet: mitten im öffentlichen Raum. Was zunächst als einzelne Fotoaktion begann, entwickelte sich schnell zu einer größeren Bewegung. Ein entscheidender Auslöser war ein Ereignis im Mai dieses Jahres.
Dieser Fall sorgte für Diskussionen und brachte auch andere Mütter dazu, ihr eigenes Verhalten beim Stillen in der Öffentlichkeit zu hinterfragen. Eine von ihnen ist Michelle Ludwig.
Wie sehr die Reaktionen anderer das eigene Verhalten beeinflussen können, zeigt auch Romy Tietz. Sie hat sich für die Aktion fotografieren lassen und kennt die Blicke beim Stillen aus eigener Erfahrung.
Genau hier setzt die Botschaft der Aktion an: Stillende Frauen sollen darin bestärkt werden, selbst zu entscheiden, wann und wo sie ihr Kind stillen. Romy und Michelle haben deshalb eine klare Botschaft für alle, die sich dabei noch unsicher fühlen oder sich von negativen Blicken beeinflussen lassen.
Aus der ursprünglichen Idee ist inzwischen eine Bewegung geworden. Städte organisieren eigene Fotoaktionen, der Hashtag wird weitergetragen. Die Macherinnen hoffen, damit langfristig etwas zu verändern – nicht nur für Mütter heute, sondern auch für kommende Generationen. Und vielleicht soll sich irgendwann auch rechtlich etwas ändern. In Schottland ist öffentliches Stillen bereits gesetzlich geschützt. Bis dahin bleibt die Botschaft der Aktion klar: Frauen sollen selbst entscheiden können, wann und wo sie ihr Kind stillen – ohne Scham und ohne sich dafür verstecken zu müssen.