Zur Leipziger Buchmesse wird die Stadt jedes Jahr zum Treffpunkt für hunderttausende Besucher. Entsprechend hoch ist die Nachfrage nach Unterkünften. Wer kurzfristig ein Hotelzimmer sucht, muss dabei oft deutlich mehr bezahlen als üblich.
Ein Beispiel: Ein Doppelzimmer, das regulär rund 76 Euro kostet, kann während der Messe auf über 300 Euro steigen. Laut einer Analyse des Vergleichsportals Check24 liegt der durchschnittliche Zimmerpreis in diesem Zeitraum bei rund 389 Euro. Eine Woche später sinkt er auf etwa 121 Euro.
Viele Hotels in Leipzig sind während der Buchmesse nahezu ausgebucht.
„Unsere Auslastung zur diesjährigen Buchmesse liegt bei über 90 Prozent“, sagt Lars Ziegenhorn, Area Manager der H-Hotels für die Region Ost. Der gebürtige Leipziger verantwortet mehrere Häuser der Gruppe in Ostdeutschland.
Die hohe Nachfrage sei ein zentraler Faktor für die Preisentwicklung.
„Zur Leipziger Buchmesse sind jedes Jahr viele Fachaussteller und Besucher vor Ort. Der Druck auf die Stadt ist entsprechend – und so wird die Auslastung hoch sein und die Preise entsprechend vorgenommen“, so Ziegenhorn.
Auch aus Sicht der Leipzig Hotel Alliance, einem Zusammenschluss großer Hotels in der Stadt, ist die Entwicklung nachvollziehbar.
„Wenn der Nachfragedruck groß ist, steigen die Preise. Das sind ganz normale marktwirtschaftliche Gegebenheiten“, erklärt Axel Ehrhardt, Sprecher der Allianz.
Die Preisgestaltung erfolgt in vielen Häusern automatisiert. Sogenannte Revenue-Management-Systeme passen die Preise in Echtzeit an die Nachfrage an. Grundlage sind unter anderem Buchungszahlen, verfügbare Zimmer und Veranstaltungszeiträume.
Bei vielen Gästen stößt die Preisentwicklung dennoch auf Unverständnis. Immer wieder fällt in diesem Zusammenhang der Vorwurf überhöhter Preise.
Ziegenhorn verweist jedoch auf den internationalen Vergleich:
„Wenn Sie sehen, dass bei großen Messen in München Zimmer über 800 Euro kosten oder in Städten wie London oder Paris, dann ist Leipzig noch vergleichsweise moderat.“
Die Hotelbranche sieht sich zugleich mit steigenden Kosten konfrontiert.
„Wir haben in den letzten zwei Jahren über 30 Prozent Anhebung des Lohnniveaus. Auch Reinigung und Dienstleistungen werden immer teurer“, sagt Ziegenhorn.
Hinzu kommt, dass Hotels über das gesamte Jahr wirtschaftlich arbeiten müssen.
„Wir sind im Jahr an etwa 60 Tagen sehr gut gebucht. Was ist mit den restlichen 300 Tagen?“, sagt Ehrhardt.
Großveranstaltungen wie die Buchmesse seien deshalb für viele Betriebe ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor.
Wer zur Buchmesse nach Leipzig reisen möchte, kann dennoch versuchen, Kosten zu sparen. Fachleute empfehlen:
frühzeitig zu buchen
Preise regelmäßig zu vergleichen
flexibel bei An- und Abreise zu sein
auch Unterkünfte außerhalb der Innenstadt zu prüfen
Auch kurzfristig können vereinzelt noch Zimmer verfügbar sein.
„Man kann den Markt beobachten und mit etwas Glück noch ein günstigeres Angebot finden“, so Ziegenhorn.
Die Entwicklung der Hotelpreise zur Buchmesse bleibt ein wiederkehrendes Thema. Während die Branche auf marktwirtschaftliche Mechanismen und gestiegene Kosten verweist, empfinden viele Besucher die Preise als hoch.
Mit Blick auf die große Nachfrage während solcher Veranstaltungen ist jedoch absehbar, dass sich an dieser Dynamik kurzfristig wenig ändern wird.