Vanessa Mannteufel arbeitet als Baumaschinistin in Leipzig. Ihr Alltag beginnt früh – oft um halb fünf – und endet erst am späten Nachmittag. Platten legen, Kabel freilegen, Maschinen steuern: Was sie macht, ist harte körperliche Arbeit. Und gleichzeitig ist Vanessa für viele Kollegen die erste Transfrau, der sie auf dem Bau begegnen.
Sie kennt beide Perspektiven. Vanessa lebte früher als Mann und lebt heute als Frau – offen, selbstbewusst und mit einem klaren Ziel: auf der Baustelle ganz normal ihren Job zu machen.
Viele im Handwerk begegnen ihr mit Neugier, manche mit Zurückhaltung. Für Vanessa entscheidet am Ende die Praxis: „Man muss zusammenarbeiten. Es muss nicht jeder mögen, aber die Akzeptanz ist schon sehr okay“, sagt sie.
Studien zeigen, dass Betriebe mit klarer Haltung zu Vielfalt weniger Konflikte und zufriedenere Teams haben. Auf dem Bau ist dieser Kulturwandel allerdings noch im Aufbau.
Dass queere Menschen sichtbarer werden, hat auch Schattenseiten. Laut aktueller Kriminalstatistik wurden 2023 bundesweit 1.785 Straftaten gegen LSBTIQ* registriert – so viele wie nie zuvor. Die Zahl queerfeindlicher Übergriffe steigt, und Fachleute gehen von einem großen Dunkelfeld aus.
Für Vanessa bedeutet das: Sichtbarkeit ist immer auch Verletzlichkeit. „Wenn du mit deinem Freund Hand in Hand gehst, merkst du manchmal sofort, wenn es brenzlig wird“, sagt sie.
Als eine der ersten Personen in Leipzig hat Vanessa die Änderung von Namen und Geschlecht über das neue Selbstbestimmungsgesetz beantragt. Seit November 2024 ist es offiziell. Dokumente, die sie früher immer wieder rechtfertigen musste, passen jetzt zu ihrem Leben.
Für sie ist das ein wichtiger Schritt: „Das Gesetz macht vieles einfacher. Es ist das Beste, was man haben kann.“
Vanessa wünscht sich keinen Regenbogen auf jeder Baustelle – sondern echte Begegnung. „Man muss niemanden zuballern mit Symbolik. Wichtig ist, dass man sich im Alltag begegnet und versteht“, sagt sie.
Queer auf dem Bau heißt für Vanessa: früh aufstehen, hart arbeiten – und trotzdem sie selbst sein.
Ihre Präsenz zeigt, dass die Baustelle längst vielfältiger ist, als viele denken. Doch bis echte Normalität erreicht ist, dürfte es noch dauern, meint Vanessa Mannteufel.