Fr., 10.07.2026 , 16:49 Uhr

Ferien statt Krieg

Ukrainische Waisenkinder verbringen zwei Wochen in Sachsen

Für viele Kinder gehören Schwimmbad, Zoo und Ausflüge ganz selbstverständlich zu den Sommerferien. Für diese Waisenkinder aus der Ukraine sind solche Erlebnisse etwas Besonderes.

Ferienlager für ukrainische Waisenkinder in Sachsen

Vom 7. bis zum 20. Juli verbringen 30 Waisenkinder zwei Ferienwochen in Sachsen. Auf dem Programm stehen unter anderem Ausflüge, gemeinsames Baden, ein Besuch im Zoo Leipzig und weitere Freizeitangebote. Organisiert wird das Ferienlager bereits zum vierten Mal. Beteiligt sind unter anderem der Betriebsrat am Siemens-Standort Leipzig und der Verein Eine Welt e. V. Leipzig. Bei einem Ferientag in Leipzig konnten die Kinder selbst ausprobieren, basteln und technische Zusammenhänge kennenlernen. Doch für sie geht es während der Reise um viel mehr als das Programm: neue Orte entdecken, gemeinsam Zeit verbringen und Dinge erleben, die für viele andere Kinder ganz normale Ferienmomente sind.

 

Sascha feiert ihren 17. Geburtstag in Sachsen

Für Sascha aus Luzk ist die Reise gleich aus mehreren Gründen besonders. Während des Aufenthalts in Sachsen feiert sie ihren 17. Geburtstag. Bei ihrem Besuch in Leipzig erzählt sie, dass sie an diesem Tag auch etwas Neues gelernt hat und ihr die praktischen Arbeiten großen Spaß machen. Auch der zehnjährige Dmitri ist zum ersten Mal in Deutschland. Er freut sich besonders auf die geplante Reise nach Berlin, einen Zoobesuch und das Schwimmen. Bohdan wiederum erzählt von seiner Begeisterung für BMX und davon, dass er sich während der Reise besonders auf das Schwimmen und weitere neue Erlebnisse freut.

Es sind Wünsche, die für viele Kinder selbstverständlich erscheinen. Für die Kinder aus der Ukraine bedeuten sie Tage, an denen neue Erlebnisse, Begegnungen und gemeinsame Aktivitäten im Mittelpunkt stehen.

 

Reise nach Sachsen stand plötzlich auf der Kippe

Kurz vor der geplanten Abfahrt gab es jedoch ein ernstes Problem. Michael Hellriegel, Betriebsratsvorsitzender am Siemens-Standort Leipzig und einer der Initiatoren des Projekts, berichtet, dass der ursprünglich vorgesehene Bus in der Nacht vor der geplanten Abfahrt bei einem russischen Drohnenangriff zerstört worden sei. Nach seiner Darstellung war auch das Busdepot betroffen. Zehn Kinder aus dem Osten der Ukraine mussten deshalb zunächst mit dem Zug nach Luzk reisen. Dort trafen sie auf die weiteren 20 Kinder der Gruppe. Die Stadtverwaltung in Luzk organisierte schließlich einen Ersatzbus für die Reise nach Deutschland. Für die Ausflüge während des Aufenthalts in Sachsen musste anschließend erneut eine Lösung gefunden werden.

 

Ferienlager findet zum vierten Mal statt

Das Ferienlager für Kinder aus der Ukraine findet inzwischen zum vierten Mal statt. Nach Angaben von Michael Hellriegel entstand die Idee aus früheren Hilfsaktionen. Nach Beginn des russischen Angriffskrieges wurden zunächst Hilfsgüter organisiert, später kamen weitere Aktionen hinzu. Daraus entwickelte sich schließlich die Idee für das Ferienlager. Die Ferienfreizeit wird mit Unterstützung verschiedener Partner, Spender und freiwilliger Helfer ermöglicht.

 

Zwei Wochen voller neuer Erlebnisse

Zwei Wochen können den Krieg nicht ungeschehen machen. Auch Michael Hellriegel bezeichnet die Ferienfreizeit als einen kleinen Beitrag angesichts einer viel größeren Situation. Doch für die 30 Waisenkinder können diese Tage trotzdem einen Unterschied machen: ein neuer Ort, ein gemeinsamer Ausflug, ein Geburtstag fernab des gewohnten Alltags oder eine Begegnung, die in Erinnerung bleibt.

Vielleicht liegt genau darin der Wert dieser zwei Wochen: Für eine Weile stehen nicht nur die Erfahrungen der vergangenen Jahre im Mittelpunkt, sondern neue Erlebnisse, neue Begegnungen und die Hoffnung, dass es nach dunklen Zeiten auch wieder heller werden kann.