Chemnitz- Ein besonderer Moment im Grünen Salon des Chemnitzer Rathauses: Irina Scherbakowa trägt sich ins Goldene Buch der Stadt ein. Die Literaturwissenschaftlerin steht seit Jahrzehnten für Aufarbeitung, Erinnerung und den Einsatz für Menschenrechte.
Scherbakowa ist Gründungsmitglied von Memorial – einer Organisation, die sich der Aufarbeitung politischer Gewalt in der Sowjetunion widmet. Millionen Opfer des Stalinismus wurden dokumentiert, Geschichten bewahrt, Namen gesammelt. Die Arbeit von Memorial: Erinnern gegen das Vergessen. Vor allem Frauen spielten dabei eine zentrale Rolle. Für dieses Engagement erhielt Memorial 2022 den Friedensnobelpreis – in einer Zeit, in der die Arbeit der Organisation zunehmend unter Druck geriet.
Heute setzt Memorial seine Arbeit im Ausland fort, nachdem die Organisation in Russland aufgelöst wurde. Auch für die Stadt Chemnitz ist dieser Besuch ein starkes Signal. Oberbürgermeister Sven Schulze, hofft, dass viele auch aus der Geschichte der Nobelpreisträgerin etwas lernen. Ein Signal – gerade in einer Zeit, in der demokratische Werte wieder unter Druck geraten. Chemnitz versteht sich dabei als Ort des Austauschs – mit einer bewegten Geschichte und Blick nach vorn. Am Abend liest Irina Scherbakowa in der Hartmannfabrik aus ihrem neuen Buch „Der Schlüssel würde noch passen“. Eine Einladung, Geschichte zu verstehen – und Verantwortung für die Gegenwart zu übernehmen.