Do., 23.07.2026 , 15:55 Uhr

Vereine fordern faire Aufstiegschancen

Chemnitz- Hat der Ostfußball tatsächlich schlechtere Chancen auf dem Weg in den Profifußball? Genau darüber wurde beim sogenannten Gipfeltreffen, organisiert durch die FreiePresse,  im Kraftverkehr diskutiert.

Eigentlich sollte es ein Fußballabend werden. Vertreter des Chemnitzer FC, des FSV Zwickau und von Erzgebirge Aue wollten gemeinsam auf die neue Saison blicken. Doch schnell wurde klar: Das beherrschende Thema ist nicht der Meisterschaftskampf, sondern der Streit um den Aufstieg aus der Regionalliga. Für den Geschäftsführer des Chemnitzer FC Tommy Haeder, ein Herzensprojekt. Für viele Regionalligisten beginnt der schwierigste Teil der Saison lange vor dem ersten Spieltag. Denn selbst wer Meister wird, steigt nicht automatisch in die 3. Liga auf. Derzeit gibt es fünf Regionalligen, aber nur vier Aufstiegsplätze. Deshalb geht jedes Jahr mindestens ein Meister leer aus. Vor allem die Regionalliga Nordost mit ihren zahlreichen Traditionsvereinen kritisiert dieses System seit Jahren als ungerecht. Inzwischen ist aus der Kritik eine bundesweite Bewegung geworden. Fast 80 Vereine unterstützen die Initiative für eine Reform des Aufstiegssystems. Ihr gemeinsames Ziel: Jeder Regionalligameister soll künftig direkt in die 3. Liga aufsteigen.

Nach Angaben der Initiatoren hat sich damit erstmals eine Mehrheit der Vereine für einen Reformvorschlag ausgesprochen. Trotzdem sehen sie ihre Forderungen weiterhin ausgebremst. Der Vorwurf: Die Regionalverbände hätten den Willen der Vereine ignoriert und stattdessen ihre eigenen Interessen verteidigt. Für die Klubs geht es dabei um weit mehr als nur eine sportliche Frage. Die Regionalliga sei längst professionell organisiert – mit hauptamtlichen Mitarbeitern, hohen Sicherheitsauflagen und erheblichen Kosten. Gleichzeitig fehle vielen Vereinen jedoch eine verlässliche sportliche Perspektive, so der Trainer des FSV Zwickau Rico Schmitt.

Hinzu kommt aus Sicht der Vereinsvertreter ein struktureller Nachteil für den Fußball im Osten. Während finanzstarke Unternehmen und große Sponsoren vielerorts fehlen, kämpfen traditionsreiche Klubs seit Jahren um den Anschluss an den Profifußball. Für Tommy Haeder sei das bis heute auch ein strukturelles Problem. Bemerkenswert ist dabei vor allem eines: Auf dem Platz sind Chemnitz, Zwickau und Aue erbitterte Rivalen. Bei der Forderung nach einer Reform ziehen sie jedoch an einem Strang. Konkurrenz spielte an diesem Abend nur eine Nebenrolle.

Ob sich das Aufstiegssystem tatsächlich ändern wird, ist allerdings weiter offen. Denn die geplante Reform ist Ende Juni vorerst gescheitert. Bei einer bundesweiten Abstimmung konnte sich weder das Kompass-Modell noch das Regionenmodell durchsetzen. Damit bleibt das bisherige System mit fünf Regionalligen und nur vier Aufstiegsplätzen bestehen. Für viele Vereine bedeutet das: Der Kampf um den Aufstieg wird auch in Zukunft nicht nur auf dem Rasen entschieden.