Mi., 24.06.2026 , 16:19 Uhr

Im Grunde genommen gehe es um einen unverstellten Blick – quasi um Aktaufnahmen stadtprägender Architektur.

Verlorene Orte – bleibende Erinnerungen: Ausstellung nimmt Lost Places in den Fokus

Chemnitz- Jede Stadt verändert sich. Manche Gebäude verschwinden, andere werden neu erfunden. Doch was bleibt von den Orten, die einst das Stadtbild geprägt haben? Eine neue Ausstellung im Schloßbergmuseum begibt sich auf eine ganz besondere Spurensuche.

Verlassene Orte, verschwundene Gebäude und eingefrorene Momente der Stadtgeschichte. Was heute manchmal nur noch in Erinnerungen existiert, hat Fotograf Christian Sünderwald in den Jahren nach der Wiedervereinigung mit seiner Kamera festgehalten. Im Schloßbergmuseum sind nun rund 60 seiner großformatigen Schwarz-Weiß-Aufnahmen zu sehen.

In Szene gesetzt werden Verwaltungsgebäude, Krankenhäuser und Freizeiteinrichtungen ebenso wie Relikte der DDR-Geschichte. Darunter befinden sich Aufnahmen der Stasi-Bunker an der Zschopauer Straße, des ehemaligen Kaßberg-Gefängnisses oder des Kulturpalastes in Rabenstein. Auch stillgelegte Produktionsstandorte wie die Germania-Werke finden sich in der Ausstellung wieder. Alles ausschließlich in Schwarz-Weiß festgehalten. Für Christian Sünderwald ist das Festhalten von Licht und Schatten trotz digitaler Fotografie ein unbedingtes Muss – auch wenn dies mitunter schwerfalle.

Schwarz-Weiß-Fotografie – verbunden mit dem Wort „Agonie“. Gedanklich lässt sich dabei auch in Richtung Trauer abbiegen: um alte Gebäude, vergangene Zeiten und dergleichen. Für Christian Sünderwald wäre dies jedoch eine Fehlinterpretation seines Werkes. Denn im Grunde genommen gehe es im wahrsten Sinne des Wortes um einen unverstellten Blick – quasi um Aktaufnahmen stadtprägender Architektur. Für Museumsleiter Dr. Stefan Thiele ist die Ausstellung weit mehr als eine fotografische Schau. Die Aufnahmen würden den Wandel von Chemnitz dokumentieren und sichtbar machen, wie stark sich das Stadtbild in den vergangenen Jahrzehnten verändert habe.

Jedes Ende birgt einen neuen Anfang. Im Umkehrschluss bedeutet das jedoch auch: Unbedingter Erhalt kann mitunter Stillstand bedeuten. Wer schon einmal einen Altbau energetisch saniert hat, weiß vielleicht, was damit gemeint ist. Einem solchen Gedanken kann Dr. Stefan Thiele allerdings nur bedingt etwas abgewinnen. Aus Sicht des Leiters des Schloßbergmuseums schließen sich Erhalt und Entwicklung nicht gegenseitig aus.

Mit „Architektonische Agonie in Licht und Schatten“ widmet das Schloßbergmuseum dem Werk von Christian Sünderwald erstmals eine umfassende Einzelausstellung. Entstanden sind die Bilder zwischen 1990 und 2010 und dokumentieren damit auch eine Zeit tiefgreifender Umbrüche in Chemnitz. Zu sehen ist die Schau noch bis zum 16. November im Chemnitzer Schloßbergmuseum.