Dresden – Fachkräftemangel, ausbleibende Aufträge, langwierige Genehmigungen: Das sächsische Handwerk steht unter wachsendem Druck. Auf der Landespressekonferenz im Sächsischen Landtag wurde am Mittwoch deutlich, wie groß die Herausforderungen für die meist kleinen und mittelständischen Betriebe inzwischen sind.
Laut dem Sächsischen Handwerkstag hat sich die Situation in etwa einem Fünftel der Betriebe im vergangenen Jahr verschlechtert. Die Gründe sind vielfältig: Während öffentliche und private Investitionen ausbleiben, stehen viele Beschäftigte kurz vor dem Renteneintritt. Der Fachkräftenachwuchs reicht in vielen Bereichen nicht aus, um diese Lücke zu schließen.
Besonders das Bauhandwerk ist betroffen. Uwe Nostitz, Präsident des Sächsischen Handwerkstages, betonen die Dringlichkeit eines politischen Kurswechsels. Um neue Dynamik in die Branche zu bringen, müsse der Stillstand der vergangenen Jahre überwunden werden. Politische Maßnahmen auf Bundes- und Landesebene seien notwendig, um Genehmigungsprozesse zu beschleunigen und Investitionen in den privaten Wohnungsbau sowie in kommunale Infrastruktur zu erleichtern.
Kritik äußerten die Branchenvertreter auch an den geltenden Bauvorschriften. Die derzeitigen technischen Standards gelten als zu hoch angesetzt und verteuern Bauprojekte erheblich. Auch das Genehmigungsverfahren sei in vielen Fällen zu langwierig. Gefordert wird eine umfassende Reform der Bauordnung mit klaren Fristen und einem begrenzten Einspruchsrecht.
Ein weiterer zentraler Punkt war die Rolle der Kommunen. Investitionen in öffentliche Gebäude – etwa Schulen, Kitas oder Verwaltungsgebäude – könnten das Handwerk direkt stärken, so Andreas Brzezinski, Sprecher der Geschäftsführung des Sächsischen Handwerkstages. Besonders in ländlichen Regionen müssten die kommunalen Strukturen so ausgestattet werden, dass sie wieder vermehrt Aufträge vergeben können.
Trotz der angespannten Lage gibt es positive Signale beim Thema Ausbildung. Das Interesse junger Menschen am Handwerk sei vorhanden, doch fehlende Perspektiven und unsichere Beschäftigungsaussichten stellten ein Risiko für die langfristige Fachkräftesicherung dar.
Das sächsische Handwerk fordert daher konkrete politische Maßnahmen: Entlastung bei den Energie- und Lohnnebenkosten, Investitionsanreize, vereinfachte Vorschriften und eine Stärkung der kommunalen Auftraggeber. Nur so könne die Branche nachhaltig stabilisiert und zukunftsfähig gemacht werden.