Di., 20.01.2026 , 17:06 Uhr

Leipzig

Voller Erfolg – und doch unter Druck: Stadtgeschichtliches Museum plant 2026

603.000 Gäste, knappe Kassen und große Pläne: Wie Leipzigs Stadtmuseum Geschichte unter Druck lebendig hält.

603.000 Besucherinnen und Besucher in einem Jahr – das Stadtgeschichtliches Museum Leipzig blickt auf ein Rekordjahr zurück. „Das Jahr 2025 war für uns tatsächlich eins der besten, vielleicht sogar das beste Jahr unserer Geschichte“, sagt Museumsdirektor Dr. Anselm Hartinger beim Jahresauftakt im Museum Zum Arabischen Coffe Baum.

Der Erfolg fällt jedoch in eine schwierige Zeit. Bundesweit geraten Kulturetats unter Druck, auch Leipzig muss sparen. „Die Situation der Kommunen in Deutschland, der öffentlichen Haushalte ist eine sehr, sehr angespannte. Das hat natürlich überall auch Wirkungen auf die Kultur“, so Hartinger.

Trotz finanzieller Einschnitte setzt das Museum weiter auf Nähe, Verständlichkeit und Dialog. Gerade in einer zunehmend digitalen Welt beobachtet Hartinger ein wachsendes Bedürfnis nach Orientierung: „Ich glaube, es gibt neben der digitalen Welt eine große Sehnsucht danach, die authentischen Dinge wieder ein Stück weit zu entdecken und wertzuschätzen. Museen genießen einen Ruf als besonders glaubwürdige Institutionen.“

Ein sichtbares Beispiel für diesen Ansatz ist das wiedereröffnete Museum Zum Arabischen Coffe Baum. Nach jahrelanger Sanierung entwickelte sich das Haus in kürzester Zeit zu einem Publikumsmagneten. „Alleine in diesem ersten halben Jahr sind 30.000 Besucher und Besucherinnen durch das Kaffeemuseum gegangen“, sagt Hartinger.

Auch inhaltlich blickt das Museum nach vorn. 2026 stehen neue Ausstellungen und Projekte an – darunter das jüdische Themenjahr TACHELES, die Sommerausstellung „Sonne. Satt. Sommer in Leipzig“ sowie neue Einblicke im Völkerschlachtdenkmal Leipzig.

Trotz knapper Kassen bleibt der Anspruch hoch. „Jeder in unserem Museum investierte Euro ist ein gut investierter Euro, weil wir in besonderer Weise für gesellschaftlichen Zusammenhalt sorgen“, betont der Direktor. Sein Wunsch für 2026: „Wir hoffen sehr, dass wir den Menschen auch in dieser schwierigen Zeit wieder ein Stück Orientierung, wieder ein Stückchen Heimat im Museum geben können.“