Di., 29.09.2026 , 16:27 Uhr

Vom Labor in die Industrie - Deutschlands größte Professur feiert Jubiläum

Chemnitz – Ein Flugzeugventil aus dem 3D-Drucker, ein leichteres Batteriegehäuse oder Sitzmöbel aus Carbonbeton: Hinter solchen Entwicklungen steckt Forschung aus Chemnitz. Seit 20 Jahren beschäftigt sich die Professur für Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung der TU damit, Bauteile leichter und zugleich belastbar zu machen. 

2006 übernahm Lothar Kroll die Professur für Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung. Heute arbeiten dort rund 170 Menschen. Nach Angaben der TU ist sie damit Deutschlands größte universitäre Professur. Rund 100 Forschungsprojekte werden jährlich bearbeitet. 2024 kamen etwa zehn Millionen Euro Drittmittel zusammen. Dabei geht es nicht darum, Bauteile um jeden Preis leichter zu machen. Sie sollen weniger wiegen und trotzdem stabil bleiben. Für Professor Lothar Kroll, Leiter der Professur und Direktor des Instituts für Strukturleichtbau, lassen sich so auch Material und Energie sparen.

Die Forschung soll dabei nicht im Labor bleiben, sondern auch in der Wirtschaft ankommen. Sören Trillenberg, Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung, kennt das Forschungsumfeld nach eigenen Angaben seit vielen Jahren. Im Leichtbau sieht er die Möglichkeit, mit weniger Material gleiche oder höhere Anforderungen zu erfüllen.

Seit 2006 waren knapp 500 Menschen an der Professur tätig. Rund 500 Millionen Euro seien für Forschungsprojekte und Baumaßnahmen eingeworben worden, bilanziert die TU. Mit beteiligten Forschungspartnern liege das Gesamtprojektvolumen bei mehr als einer Milliarde Euro. Ein Meilenstein war der Exzellenzcluster MERGE. Dort wurden von 2012 bis 2019 verschiedene Bereiche der Leichtbauforschung zusammengeführt. Die damals entstandenen Forschungsanlagen werden bis heute genutzt. Große Anlagen und Fördermittel sind das eine. Entscheidend sind auch Menschen, die solche Projekte vorantreiben. Neben der Finanzierung nennt Staatssekretär Trillenberg deshalb einen weiteren Faktor.

Der nächste Schritt führt in die Lausitz. In Boxberg haben Mitte September die Bauarbeiten für die Carbon LabFactory Sachsen begonnen. Dort entstehen neue Forschungs-, Labor- und Büroflächen. Allein der Bau kostet 34 Millionen Euro. Ende 2028 soll die Anlage an die TU übergeben werden. Dort soll unter anderem erforscht werden, wie Carbonfasern mit weniger Ressourcen hergestellt und wiederverwertet werden können. Kroll sieht bei Carbon noch großes Potenzial.

Nach 20 Jahren zeigt sich: Aus Chemnitzer Forschung sind konkrete Anwendungen entstanden. Künftig geht es weiter darum, Gewicht, Material und Energie einzusparen – ohne dass die Bauteile weniger leisten.