Do., 02.04.2026 , 17:45 Uhr

Musik erreicht manchmal mehr als tausend Worte. Den Beweis traten am Donnerstag Schülerinnen und Schüler des Goethegymnasiums an.

Vom Schreiben zum Miteinander - Wie Jung und Alt in Chemnitz voneinander lernen

Chemnitz- Was passiert, wenn junge Stimmen auf gelebte Lebenserfahrung treffen? In Chemnitz ist daraus jetzt eine ganz besondere Begegnung entstanden – mit Momenten, die berühren und lange nachhallen.

Musik erreicht manchmal mehr als tausend Worte. Den Beweis traten am Donnerstag Schülerinnen und Schüler des Goethegymnasiums an – und zwar nicht in der Aula der Schule, sondern im Haus Steinbach, einer Pflegeeinrichtung in Chemnitz. Ganz aus der Kalten kam der Auftritt für beide Seiten nicht: Seit 2025 kennt man sich – vor allem in schriftlicher Form. Denn der Aktion liegt ein Briefwechsel der besonderen Art zugrunde. Ins Rollen kam das Projekt durch eine Anfrage, die Einrichtungsleiterin Janett Lustermann erreichte.

Ein Win-win für beide Seiten – zumindest, wenn man Nicole Rühling, die Lehrerin der Schülerinnen und Schüler, fragt. Denn die Zusammenkunft greife viele zu vermittelnde Inhalte auf und mache sie – im Gegensatz zur grauen Theorie – praktisch erfahrbar.

Lena Khadivi ist eine der jungen Besucherinnen gewesen. Das Schreiben mit den Bewohnern der Einrichtung habe ihr viel Freude bereitet. Das Aufeinandertreffen in der Realität verlief allerdings anders als erwartet. Das lag vor allem an der Vorstellung des Gegenübers, die in der Realität dann doch anders aussah als gedacht – im wahrsten Sinne des Wortes.

Und auch auf Heimseite war die Freude über den Besuch groß – zum Beispiel bei Helga Faulring. Die 94-Jährige pflegt seit 2025 diese ungewöhnliche Briefreundschaft. Dass die Schülerinnen und Schüler nun persönlich in die Einrichtung kamen, habe sie überrascht – und dass es zur Begrüßung auch noch Blumen gab, habe sie regelrecht überwältigt.

Der Besuch der Schulkinder hebt nicht nur die gute Laune – er unterstützt Ergotherapeutin Nadine Hutta auch bei ihrer täglichen Arbeit. Das Projekt sorgt dafür, dass sich die Bewohnerinnen und Bewohner weniger isoliert fühlen. Außerdem fördert das Aufeinandertreffen die Kommunikation und wirkt nachhaltig nach.

Und vielleicht ist genau das die größte Stärke solcher Begegnungen: Dass sie etwas hinterlassen, das sich nicht messen lässt – ein Lächeln, ein Gefühl von Nähe, ein kleines Stück Verbundenheit. Für die Schulkinder wird daraus mehr als nur ein Projekttag: Es sind Erfahrungen, die bleiben, die den Blick verändern und Verständnis wachsen lassen. Und für die älteren Menschen sind es Momente, die den Alltag heller machen – getragen von der Leichtigkeit und Offenheit der jungen Generation.