Di., 14.04.2026 , 15:54 Uhr

Einblick in eine Kaffeeproduktion

Warum Kaffee immer teurer wird – und wann sich Qualität lohnt

Kaffee wird teurer. Doch wann lohnt sich der höhere Preis wirklich? Ein Leipziger Produzent gibt Einblicke.

Kaffee wird zum teuren Alltagsprodukt

Kaffee ist nach Wasser eines der beliebtesten Getränke in Deutschland. Im Schnitt trinken Menschen hierzulande rund 160 Liter pro Jahr. Doch der Blick auf den Preis zeigt: Dieses Alltagsprodukt wird zunehmend zum Kostenfaktor.

Allein im Jahr 2025 sind die Preise für Bohnenkaffee laut Statistischem Bundesamt um mehr als 20 Prozent gestiegen. Bereits im April lag der Preisanstieg bei über 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – deutlich stärker als die allgemeine Inflation.

Die Gründe dafür liegen vor allem im globalen Markt: Extreme Wetterereignisse wie Dürren und Starkregen führen zu schlechteren Ernten in wichtigen Anbauländern. Gleichzeitig steigen Transport- und Energiekosten.

Auch die Nachfrage wächst weltweit weiter – etwa in Ländern wie China, wo Kaffee zunehmend an Beliebtheit gewinnt.
„Dann kommt aktuell natürlich noch die politische Lage hinzu… Verteuerung der Transportkosten“, erklärt Birgit Brendel von der Verbraucherzentrale Sachsen.

Was Verbraucher jetzt beachten sollten

Für Konsumenten bedeutet das vor allem eines: genauer hinschauen. „Verbraucherinnen und Verbraucher sollten beim Einkauf durchaus die Grundpreise vergleichen“, sagt Brendel. Der Preis pro Kilogramm könne sich selbst bei ähnlichen Produkten deutlich unterscheiden. Auch die Wahl der Zubereitungsart spielt eine Rolle: Klassischer Filterkaffee ist meist günstiger als Kapseln oder Pads.

Doch reicht das aus, um Preis und Qualität richtig einzuschätzen?

Ein Leipziger geht einen anderen Weg

Jörg Pfeifer aus Leipzig hat sich genau diese Frage gestellt – und ist einen ungewöhnlichen Weg gegangen. Der ehemalige Filmemacher entdeckte 2019 seine Leidenschaft für Kaffee.

Zwei Jahre später gründete er gemeinsam mit Partnern die Firma „Segelwerk“. Sein Ziel: Kaffee nicht nur besser verstehen, sondern auch fairer und nachhaltiger produzieren. „Ein guter Kaffee ist für mich etwas Besonderes. Er muss gut schmecken. Keine Einheitsware sein“, sagt Pfeifer.

Vom Anbau bis zur Röstung: viel Handarbeit

Sein Kaffee stammt aus Ländern wie Honduras, Mexiko oder Kolumbien – oft von kleinen Betrieben. Weltweit leben rund 25 Millionen Menschen vom Kaffeeanbau.
„Die meisten pflücken den Kaffee per Hand“, erzählt Pfeifer. „Die wollen ihre Familie ernähren, ihre Kinder zur Schule schicken.“
Für ihn ist klar: Wer Kaffee produziert, sollte auch davon leben können. Deshalb setzt er auf direkten Handel und höhere Preise für die Produzenten.

Kaffee per Segelschiff – warum der Aufwand?

Ein entscheidender Unterschied liegt im Transport: Statt Containerschiffen nutzt Pfeifer Segelschiffe. Diese fahren ohne Schweröl – und sind damit deutlich klimafreundlicher. „Wir wollten auch den Transportweg verändern“, sagt er. Die Reise dauert allerdings deutlich länger: Wochenlang ist der Kaffee auf dem Atlantik unterwegs, bevor er in Europa ankommt.

Zurück in Leipzig: kleine Mengen statt Massenware

Geröstet wird der Kaffee schließlich in Leipzig – im Westwerk in Plagwitz. Hier arbeitet Pfeifer mit kleinen Chargen: Rund 15 Kilogramm werden pro Durchgang verarbeitet. „Dann wird er im Trommelröster… langsam geröstet“, erklärt er. Im Gegensatz zur industriellen Produktion, bei der große Mengen in kürzester Zeit erhitzt werden, bekommt der Kaffee hier Zeit, seine Aromen zu entfalten. „Die Kaffees… sind viel komplexer, viel feiner, haben viel mehr Aromen.“

Warum günstiger Kaffee oft einen Preis hat

Der Unterschied zeigt sich auch im Verkaufspreis. Während Supermarktkaffee trotz steigender Preise oft vergleichsweise günstig bleibt, kann hochwertiger Kaffee deutlich teurer sein. „Da holt man sich halt einen Kilo Kaffee im Discounter für einen Zehner“, sagt Pfeifer. Doch für ihn hat dieser Preis oft eine Kehrseite:
„Wenn ein Kaffee das Kilo unter 20, 25 Euro kostet, leidet immer irgendjemand.“

Fazit: bewusster entscheiden

Fest steht: Kaffee bleibt ein fester Bestandteil des Alltags – auch in Leipzig. Doch die steigenden Preise verändern den Blick auf das Produkt. Herkunft, Verarbeitung und Qualität spielen für viele eine immer größere Rolle. Für Verbraucher bedeutet das: vergleichen, ausprobieren – und bewusst entscheiden.
„Geht in eine Rösterei und probiert es einfach mal aus“, rät Pfeifer. Denn am Ende geht es nicht nur um den Preis – sondern darum, was hinter jeder Tasse Kaffee steckt.