Do., 06.11.2025 , 11:08 Uhr

Leipzig

Was denkt Generation Z über die Wehrpflicht?

Seit Sommer 2024 wird in Deutschland wieder über die Wehrpflicht diskutiert. Doch wie sehen das die jungen Menschen, die es direkt betreffen würde? Zwischen Zustimmung, Ablehnung und der Idee eines sozialen Pflichtjahres zeigen ihre Antworten, wie gespalten die Generation unter 30 ist.

„Für Deutschland würde ich keine Waffe in die Hand nehmen“, sagt Nick aus Leipzig. Mit dieser Meinung steht der junge Mann nicht allein da. Seit Verteidigungsminister Boris Pistorius Pläne für einen neuen Wehrdienst vorgestellt hat, wird deutschlandweit gestritten: Wiedereinführung der Wehrpflicht – ja oder nein?

Auf Instagram haben wir junge Menschen gefragt, wie sie dazu stehen – und einige von ihnen getroffen.

Marek, Student, hält die Wehrpflicht für „etwas veraltet“, versteht aber, „dass es eine Notwendigkeit geben kann“. Wenn es tatsächlich zu einem Kriegsfall käme, „würde ich natürlich auch zustimmen, dass sie wieder eingeführt wird“.

Ganz anders sieht das Nick, Industriearbeiter. Für ihn ist das Modell der Wehrpflicht „überholt“. Er würde seine Heimat verteidigen – „mein Dorf, 20 Kilometer Umkreis“ –, aber „nicht Berlin in Moskau“. Ein Führerschein als Anreiz reiche nicht: „Da muss noch mehr kommen … eine vernünftige Bezahlung oder Unterstützung für Familien.“

Studentin Annalena (Name geändert) wünscht sich stattdessen ein verpflichtendes soziales Jahr: „Ob man dann wirklich zum Wehrdienst geht oder in die Altenpflege – dem wäre ich sehr positiv begegnet.“ Ein Losverfahren, bei dem zufällig gezogen wird, wer dienen muss, lehnt sie ab: „Ich würde niemanden an die Waffe zwingen, der das nicht will.“

Laut einer aktuellen Umfrage befürworten 47 Prozent ein verpflichtendes Dienstjahr – für Männer und Frauen, wahlweise bei der Bundeswehr oder in sozialen Einrichtungen. Rund 30 Prozent lehnen jede Form der Pflicht ab, besonders Frauen und Jüngere unter 30.

Auch Expert:innen beobachten, dass die Zahl der Anfragen zur Kriegsdienstverweigerung steigt – auch in Leipzig. Torsten Schleip von der Deutschen Friedensgesellschaft begleitet seit über 30 Jahren Menschen auf diesem Weg. „Es finden sich immer mehr Eltern, die für ihre Kinder Anträge stellen“, sagt er. Viele wollten vorbereitet sein – aus Sorge über die politische Lage.

Egal ob Wehrpflicht, Freiwilligendienst oder Verweigerung: Die Debatte bleibt emotional. Viele junge Menschen fordern vor allem eines – mitreden zu dürfen, wenn über ihre Zukunft entschieden wird.