Chemnitz- Volkswagen kämpft weiter mit sinkenden Gewinnen. Im zweiten Quartal brach der Überschuss um knapp 33 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro ein – der zehnte Gewinnrückgang in Folge.
Der Konzernchef will deshalb den Sparkurs verschärfen. Bis zu 50.000 weitere Arbeitsplätze weltweit stehen auf dem Prüfstand. Außerdem wird über vier deutsche Werke diskutiert – darunter auch der Standort Zwickau. Bis zum Jahresende soll Klarheit über das Sparpaket herrschen. Auch die VW-Tochter Porsche steht unter Druck. Medienberichten zufolge könnten dort bis 2035 weitere 5.000 bis 6.000 Stellen wegfallen. Eine Einigung gibt es bislang allerdings noch nicht. Gerade Sachsen blickt deshalb besonders aufmerksam nach Wolfsburg. Mit rund 580.000 produzierten Pkw im vergangenen Jahr zählt der Freistaat zu den wichtigsten Automobilstandorten Deutschlands. Die Werke verfügen zwar über Kapazitäten von bis zu 840.000 Fahrzeugen jährlich – ausgelastet sind sie derzeit aber nur noch zu gut 71 Prozent. Wie angespannt die Situation der gesamten Branche ist, beobachtet auch Andreas Wächtler vom Automobilnetzwerk AMZ Sachsen.
Gerade der Blick nach China sei entscheidend, sagt Wächtler. Dort hätten die deutschen Hersteller jahrelang hohe Gewinne erzielt. Genau dieses Geschäft falle nun weg und sorge inzwischen auch in Sachsen für zunehmenden Druck. Wie groß die Herausforderung ist, zeigt auch die Prognose des Automobilnetzwerks Sachsen. Im Basisszenario könnte die Pkw-Produktion im Freistaat bis 2030 auf rund 340.000 Fahrzeuge zurückgehen. Gleichzeitig würden auch die Exporte deutlich sinken.
Doch nicht nur die Autobauer selbst sind betroffen. Auch viele Zulieferer in Sachsen spüren den Wandel und die aktuelle Lage auf dem Markt. Allerdings längst nicht alle gleichermaßen. Für Wächtler steckt hinter der Krise aber noch ein viel grundlegenderes Problem. Die Automobilindustrie verändert sich gerade grundlegend. Der klassische Verbrennungsmotor verliert an Bedeutung. Entscheidend werden Elektromobilität, Software und Innovationstempo.
Während bundesweit gegen den Sparkurs protestiert wird – auch Beschäftigte am VW-Standort Chemnitz haben gemeinsam mit der IG Metall demonstriert – richtet sich der Blick inzwischen nach vorn. Trotz aller Schwierigkeiten sieht das Automobilnetzwerk Sachsen durchaus Chancen. BMW konnte zuletzt gute Zahlen schreiben, Porsche Leipzig gilt weiterhin als vergleichsweise stabil und Volkswagen investiert in den Ausbau seiner Fertigung. Für Wächtler liegt der Schlüssel vor allem in neuen Technologien.
Damit das gelingen kann, brauche es aber auch politische Unterstützung. Wie der Sparkurs bei Volkswagen am Ende aussehen wird, soll sich bis zum Jahresende entscheiden. Für Sachsen geht es dabei um weit mehr als nur einen einzelnen Konzern. Die Branche beschäftigt zehntausende Menschen und bleibt einer der wichtigsten Industriezweige des Freistaats. Ob die Werke wieder besser ausgelastet werden und der Strukturwandel gelingt, dürfte deshalb weit über Wolfsburg hinaus Folgen haben.