Di., 28.04.2026 , 17:44 Uhr

Arbeiten gehen ohne Sprachintegration?

Weniger freiwillige Integrationskurse: Wie wirkt sich das auf Betroffene und den Leipziger Arbeitsmarkt aus?

Der Bund schränkt den Zugang zu freiwilligen Integrationskursen ein. In Leipzig wächst die Sorge, dass dadurch der Weg in Arbeit länger statt kürzer wird.

„Denn ohne Sprachkurse ist es unmöglich, sich zu integrieren“, sagt Ousmane Jallow vom Migrantinnen- und Migrantenbeirat Leipzig. Er kommt ursprünglich aus Gambia, lebt seit einigen Jahren in Leipzig und hat hier eine Ausbildung abgeschlossen. Ohne Integrationskurs, sagt er, hätte er diesen Weg nicht geschafft.

Die Bundesregierung will laut Medienberichten bei freiwilligen Integrationskursen sparen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge verweist in einem Trägerrundschreiben vom 9. Februar 2026 auf finanzielle Herausforderungen. Künftig sollen Integrationskurse stärker auf Menschen mit dauerhafter Bleibeperspektive ausgerichtet werden. Wer bisher freiwillig teilnehmen konnte, wenn Plätze frei waren, könnte es dadurch schwerer haben.

Maria Habre vom Migrantinnen- und Migrantenbeirat Leipzig sieht darin ein Problem. Sie warnt, dass Menschen durchs Raster fallen könnten, die nicht im Leistungsbezug sind, aber trotzdem Unterstützung brauchen. „Es gibt Menschen, die nicht im Leistungsbezug sind und trotzdem prekär sein können“, sagt Habre. Wenn sie keinen Kursplatz bekommen, blieben oft nur teure Privatangebote.

Auch für den Arbeitsmarkt könnte das Folgen haben. Tina-Marie Reuter von der Agentur für Arbeit Leipzig betont: Ohne ausreichende Deutschkenntnisse sei der Einstieg in Arbeit oder Ausbildung kaum möglich. Viele Betriebe erwarteten mindestens B2-Niveau. Gleichzeitig steht der Leipziger Arbeitsmarkt unter Druck: Rechnerisch kommen laut Agentur für Arbeit sechs Bewerber auf eine freie Stelle.

Antje Wiesner vom Jobcenter Leipzig sieht Sprache ebenfalls als entscheidende Voraussetzung. Wer nicht gut Deutsch spreche, habe es derzeit sehr schwer, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Hinzu kommt: Seit 2025 kann der allgemeine Integrationskurs nicht mehr wiederholt werden. Wer das B1-Niveau nicht erreicht, findet danach oft schwer Anschluss an Berufssprachkurse.

Für Beschäftigte gibt es weiterhin berufsbegleitende BAMF-Sprachkurse. Niedrigschwellige Angebote in Leipzig helfen beim Einstieg, ersetzen aber keinen zertifizierten Sprachkurs. Ob der Bund dadurch wirklich spart oder langfristig höhere Folgekosten entstehen, bleibt offen.