Für viele Patientinnen und Patienten in Leipzig kommt die Entscheidung zur Unzeit. Schon jetzt ist es schwer, einen Therapieplatz zu finden – oft warten Betroffene monatelang. „Es gibt so schon einen großen Mangel“, sagt eine Passantin.
Auch unter Psychotherapeuten sorgt die Entscheidung für Kritik. Dr. Gregor Peikert von der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer spricht von einer „Welle der Empörung“ in der Branche. Bundesweit habe es bereits Demonstrationen gegeben. Aus seiner Sicht greift die Begründung der Krankenkassen zu kurz. Zwar seien die Honorare gestiegen – doch ausgehend von einem niedrigen Niveau. Psychotherapeuten zählen weiterhin zu den Facharztgruppen mit den geringsten Einkommen.
Besonders kritisch sieht Peikert die möglichen Folgen für die Versorgung. Wenn Honorare sinken und gleichzeitig Kosten steigen, werde die Niederlassung unattraktiver. Langfristig könne das die psychotherapeutische Versorgung gefährden.
Wie sich das konkret auswirkt, zeigt der Blick nach Leipzig: Lucas Hagedorn ist Psychotherapeut in Ausbildung. Der Weg in den Beruf ist lang und teuer – bis zu 60.000 Euro kann die Ausbildung kosten. Gleichzeitig verdienen viele angehende Therapeuten in dieser Zeit kaum Geld.
Auch danach ist der Einstieg schwierig. Wer gesetzlich Versicherte behandeln will, braucht einen Kassensitz – und der ist teuer und knapp. „Seit Jahren ist klar, dass die Kassensitze nicht ausreichen“, sagt Hagedorn. Schon heute fehlen dadurch Therapieplätze.
Die Sorge: Wenn sich die Behandlung von Kassenpatienten weniger lohnt, könnte sich die Situation weiter verschärfen. Mehr Therapeuten könnten in den privaten Bereich wechseln. Für gesetzlich Versicherte würde es dann noch schwieriger, Hilfe zu bekommen – besonders für Menschen mit wenig Geld.
Auch der Nachwuchs könnte betroffen sein. Laut Peikert könnten Praxen künftig weniger Weiterbildungsplätze anbieten, wenn die Finanzierung unsicher wird. Langfristig droht damit ein weiterer Rückgang an verfügbaren Therapeuten.
Besonders im ländlichen Raum könnten die Folgen zuerst sichtbar werden. Doch auch in Leipzig ist die Nachfrage schon heute größer als das Angebot.
Die Debatte zeigt: Es geht nicht nur um Zahlen – sondern um die Frage, wie erreichbar psychische Hilfe in Zukunft noch ist. Und ob sie am Ende für alle da ist.