Chemnitz- Ein Gebäude, viele Leben: Die alte Aktienspinnerei in Chemnitz hat Geschichte geschrieben – und Geschichten gespeichert. Vom Kaufhaus über das Puppentheater bis zur Universitätsbibliothek. Jetzt werden diese Erinnerungen wieder lebendig. Wie sich Vergangenheit hören, sehen – und manchmal sogar riechen lässt, zeigt das Projekt „Fäden der Erinnerung“.
Die alte Aktienspinnerei dürfte gebürtigen Chemnitzerinnen und Chemnitzern ein Begriff sein. Vom Wismutkaufhaus über das Puppentheater bis hin zur Universitätsbibliothek – das Gebäude hat eine bewegte Vergangenheit. Eine Geschichte, die eng mit den Menschen verknüpft ist, die dort ein- und ausgingen oder noch heute in dem Haus arbeiten. Und genau jene Geschichten standen nun unter dem Motto „Fäden der Erinnerung“ im Fokus – bei einer Veranstaltung in dem altehrwürdigen Gebäude, bei der Zeitzeugen in Form eines Films zu Wort kamen. Den Anstoß zu diesem Projekt gab Angela Malz, die ehemalige Direktorin der Universitätsbibliothek. Die praktische Umsetzung geht allerdings auf das Konto von Heidi Hupfer. Die Jungfilmemacherin verschlug ihr Studium in die alte Aktienspinnerei. Dort angekommen, stieß sie auf Frau Malz – und auf die vielen Geschichten, die das Haus zu erzählen hat. Ab diesem Moment kam Bewegung in das Projekt: Frau Hupfer stellte die Verbindung zur Filmwerkstatt her und beteiligte sich selbst an den Zeitzeugeninterviews sowie am Schnitt der Filme.
Herausgekommen ist ein Film, der im Mittelpunkt der Veranstaltung stand. Er erzählt mitunter skurrile, aber auch bewegende Geschichten, die auch Hupfer unter die Haut gingen. So etwa die Erinnerungen des ehemaligen Direktors der Puppenbühne, Manfred Blank, der aufgrund der Zensur im Arbeiter- und Bauernstaat auf dem Posten landete.
Thematisiert wurde dabei auch etwas, das in Interviews eher selten eine Rolle spielt: der Geruchssinn. Denn während beim Filmeschauen vor allem das Auge im Vordergrund steht, bleiben andere Sinne oft außen vor. Aus Sicht von Manfred Blank hätten Gäste mit empfindlichen Nasen bestimmte Wochentage besser meiden sollen. Denn manche Gerichte aus der Küche prägten den Geruch im Haus über Tage hinweg.
Fäden der Erinnerung“ zeigt: Vergangenheit verblasst nicht – zumindest dann nicht, wenn man sie bewahrt. Der Film macht sie sichtbar, hörbar und greifbar. Wer tiefer in die Geschichte des Hauses eintauchen möchte, kann das bald direkt vor Ort tun: In den kommenden Wochen werden an ausgewählten Schauplätzen kleine Holzmodelle der Aktienspinnerei platziert. Ein QR-Code genügt – und die Geschichten werden erneut lebendig, in Bild und Ton. So wird die Aktienspinnerei selbst zum Erzähler – und ihre Vergangenheit bleibt auch für kommende Generationen erlebbar.