Do., 24.07.2025 , 13:27 Uhr

Cyberchondrie, TikTok-Tipps & Fehlinformationen

Wie gefährlich "Dr. Internet" werden kann

Dresden - Wer bei Kopfschmerzen sofort an einen Hirntumor denkt oder hinter leichtem Husten direkt Lungenkrebs vermutet, ist nicht allein: Immer mehr Menschen googeln ihre Symptome – mit oft besorgniserregenden Ergebnissen. Die Barmer-Krankenkasse warnt vor der sogenannten Cyberchondrie, dem krankhaften Grübeln nach Online-Recherchen zu Gesundheitsthemen. Besonders gefährdet: Jugendliche.

Psychologe Dirk Weller hat im Auftrag der Barmer die Sinus-Jugendstudie durchgeführt. Im Gespräch mit Sachsen Fernsehen erklärt er: „20 Prozent der Jugendlichen in Sachsen informieren sich bereits über TikTok zu Gesundheitsthemen.“ Dabei ist das Problem bekannt – viele dieser Inhalte seien übertrieben, emotionalisiert oder schlichtweg falsch. Der Algorithmus belohnt sie trotzdem.

Kritisch wird es, wenn vermeintliche Ratschläge die Grenze zur Gesundheitsgefahr überschreiten. Weller nennt das Beispiel des Hashtags #Skinnytok, der auf TikTok Magersucht verharmlost oder gar glorifiziert. Auch absurde „Therapietipps“ – etwa eine Orange unter der Dusche gegen Angststörungen – verbreiten sich viral. Selbst lebenswichtige Themen wie die HPV-Impfung werden durch Fehlinformationen diskreditiert.

Dabei ist den Jugendlichen durchaus bewusst, dass nicht alles in den sozialen Medien der Wahrheit entspricht. „Wenn sie wirklich verlässliche Informationen brauchen, landen Krankenkassen-Websites ganz oben. Influencer spielen dann kaum noch eine Rolle,“ so Weller.

Doch auch ältere Menschen sind gefährdet: Laut der Digitalindexstudie fühlen sich gerade sie am wenigsten in der Lage, Gesundheitsinformationen aus dem Netz richtig zu bewerten.

Die Barmer setzt deshalb auf Prävention – etwa mit dem Schulprojekt „Durchblickt“, das digitale Gesundheitskompetenz stärken soll. Doch auch Weller betont: Bildung allein reicht nicht. Plattformen wie TikTok oder YouTube müssten stärker in die Pflicht genommen werden, etwa durch Siegel für verlässliche Gesundheitsinformationen.

Wie sehr das Thema bewegt, zeigt unsere Straßenumfrage in Dresden: Die meisten Befragten googeln bei Unsicherheiten zwar – achten aber bewusst auf seriöse Quellen. Junge wie ältere Dresdner äußern sich kritisch gegenüber Influencer-Ratschlägen und fordern mehr Aufklärung und Medienkompetenz.

Foto:IMAGO/ Imagebroker