Taucha. Seit mehr als sechs Jahrzehnten pflegt der Verein Mandanindianer Taucha-Leipzig e.V. vor den Toren der Messestadt eine besondere Tradition: die Begeisterung für den Wilden Westen und die Darstellung der indigenen Bevölkerung Nordamerikas. Mit handgefertigten Gewändern, Tänzen und viel ehrenamtlichem Engagement treten die Mitglieder beim Stadtfest auf – auch wenn ihre Rolle im Laufe der Jahre kleiner geworden ist.
Die Tauchaer Tradition hat ihre Wurzeln in der literarischen Begeisterung für Karl May und James Cooper, weiß Tauchas Museumsleiterin Ricarda Döring. In der DDR befeuerte dieser sogenannte Wild-West-Kult die Faszination für „Wild-West-Romane“ und prägte auch die Vereinskultur. Dieses Engagement hielt so zu jener Zeit auch Einzug in die Gestaltung des Stadtfestes der Kleinstadt Taucha, das bis heute zu den Höhepunkten im Veranstaltungskalender der Stadt zählt. Symboliken der indigenen Kultur sind bis heute beim „Tauchschen“ dadurch sichtbar.
Bereits in den 1930er Jahren wurden erste Abzeichen mit Wild-West-Symbolik in Taucha getragen. 1958 gründete sich schließlich der Verein, der heute rund 15 Mitglieder umfasst. Das Vereinsheim, liebevoll „Indianerhütte“ genannt, steht seit 1960 im kleinen Waldgebiet „die Hölle“ nahe Taucha.
Maritta Mandry, seit Beginn dabei, erinnert sich: „Mein Vater hat den Verein nicht nur mitgegründet, sondern auch vieles selbst gebaut.“
Besonders sichtbar wird das Engagement beim Stadtfest. Bis in die 1960er Jahre errichteten die Mandanindianer ein großes Tipi-Dorf am Schöppenteich im Stadtpark. Ein fester Bestandteil der Eröffnung war damals das gemeinsame Rauchen der Friedenspfeife von Vereinsvorsitzendem und Bürgermeister.
Heute treten die Mitglieder zurückhaltender auf. Doch sie möchten die alten Bräuche wieder stärker zeigen – mit einem kleinen Lager, Tänzen und Vorführungen. „Wir würden uns wünschen, wieder mehr in den Mittelpunkt zu rücken“, sagt Mandry.
Auch wenn die Tradition im Stadtleben an Sichtbarkeit verloren hat, will der Verein weitermachen. Mit neuen Ideen und dem Enthusiasmus der Mitglieder soll das kulturelle Erbe in Taucha lebendig bleiben. „Wir schauen, dass wir das Werk fortsetzen“, so Mandry hoffnungsvoll.