Martin Gräfe, Geschäftsführer der Leipziger Sportbäder, ordnet die Lage ein. Die Unfallzahlen seien in den vergangenen Jahren gleichbleibend gering. Das liege vor allem an den Mitarbeitern, die präventiv arbeiteten und jede Situation im Blick behielten, nicht nur im Wasser, sondern auch drumherum.
In der Leipziger Innenstadt gehen die Meinungen auseinander. Einige Bürger sehen in der Technik eine mögliche Hilfe, wenn dadurch weniger Kinder ertrinken. Gleichzeitig gibt es Bedenken beim Thema Datenschutz und Überwachung. Eine Bürgerin sagt: „Andererseits, wenn es halt die KI ist, brauche ich mir keine Sorgen machen, dass es eine Person mit Hintergedanken ist.“ Ein anderer Passant würde den Einsatz nicht grundsätzlich ablehnen. Die KI könne das Aufpassen wahrscheinlich mindestens genauso gut unterstützen.
Das System analysiert Bewegungsmuster der Badegäste und soll Gefahrensituationen frühzeitig erkennen. Einen Bademeister ersetzt es laut Gräfe aber nicht. Die KI könne jede Person im Becken gleichmäßig beobachten, eine hohe Trefferquote erreichen und die Aufsicht unterstützen. Die Verantwortung bleibe dennoch immer bei den Bademeistern.
Ein entscheidender Punkt sind die Kosten. Allein für die Überwachung eines Beckens rechnet Gräfe mit Investitionen im sechsstelligen Bereich. Hinzu kämen laufende Kosten. Für alle Leipziger Schwimmhallen und Freibäder würde die Einführung nach seiner Einschätzung einen hohen siebenstelligen Betrag bedeuten. Aktuell sei das nicht realistisch.
Gräfe geht davon aus, dass KI in den kommenden fünf bis zehn Jahren in vielen Bädern üblich werden könnte. Dennoch werde nicht jedes Bad die Technik einsetzen können, vor allem wegen der Kosten.
In Leipzig ist KI in Schwimmbädern in diesem Jahr also noch nicht an der Tagesordnung. Nach Angaben des Leipziger Dezernats für Umwelt, Klima, Ordnung und Sport soll das Thema erst 2027 erneut geprüft werden. Die Diskussion zeigt aber: Viele können sich technische Unterstützung im Ernstfall vorstellen, solange klar bleibt, welche Bilder ausgewertet werden, wer Zugriff darauf hat und wofür die Daten genutzt werden.