Bücher, Kinderkleidung, Geschirr – vieles, was zu Hause keinen Platz mehr findet, landet in Leipzigs Straßen in sogenannten Verschenkekisten. Was nach gelebter Nachhaltigkeit aussieht, ist rechtlich gesehen ein Problem. Denn: Wer Gegenstände ohne Genehmigung im öffentlichen Raum abstellt, begeht eine Ordnungswidrigkeit.
Wie viele dieser Kisten es in Leipzig tatsächlich gibt, lässt sich nicht sagen. Das Ordnungsamt kontrolliert nicht regelmäßig, sondern reagiert vor allem auf Hinweise aus der Bevölkerung. Zwischen Januar 2024 und Juni 2025 wurden der Stadt insgesamt 1.516 abfallrechtliche Verstöße gemeldet, heißt es auf unsere Anfrage.
Die Stadt erklärt:
Durch das Herausstellen der Gegenstände wird damit der Tatbestand der unzulässigen Lagerung beziehungsweise Ablagerung von Abfällen erfüllt. Dieser Tatbestand lässt die Ahndung mit Geldbußen von 5,00 € bis 100.000,00 € zu.
Doch wohin mit Dingen, die zwar ausgemustert, aber zu schade zum Wegwerfen sind? Eine Alternative bieten sogenannte Verschenkeschränke. 25 davon zählt die Stadt Leipzig – betrieben von verschiedenen Vereinen.
Einer der bekanntesten steht im Lene-Voigt-Park: Lenes Tauscho. Zwischen 500 und 600 Menschen kommen täglich an dem Schrank vorbei, viele von ihnen bleiben stehen, stöbern oder bringen selbst etwas mit.
Ich nutze es regelmäßig, bringe Sachen hin, bevor ich sie wegschmeiße, sagt eine Nutzerin.
Ich komme oft vorbei, bringe Bücher oder Kleidung, die nicht mehr passen, und alles was bei mir zu viel ist.
Manchmal braucht man zufällig genau das, was man dort findet.
Vor rund drei Jahren hat Aaron Krautheim den Schrank aufgebaut – der Ort selbst wird im Viertel aber schon länger zum Tauschen genutzt.
Früher lagen hier Kisten und lose Sachen auf dem Boden – bei Regen wurde daraus Müll. Mit dem Schrank konnten wir das deutlich verbessern, erklärt Aaron Krautheim.
Für ihn ist der Schrank eine geordnete, legale Alternative zu den Kisten – das Verbot der Straßenspendeform sieht er jedoch kritisch:
Ich verstehe, dass das für die Stadtreinigung ein Mehraufwand ist. Aber viele Leipzigerinnen und Leipziger wollen Dinge teilen. Statt Strafen wären Informationskampagnen viel sinnvoller.
Trotz aller Vorteile: Auch ein Verschenkeschrank ist kein Selbstläufer. Ein ehrenamtliches Team vom Kollektiv Lenes Tauscho kümmert sich regelmäßig um Ordnung, räumt auf, sortiert aus und entsorgt Unbrauchbares.
Wir investieren mindestens 15 Stunden pro Woche, sagt Krautheim.
Seit Jahren versuchen wir, eine institutionelle Unterstützung für das Projekt zu bekommen – zum Beispiel von der Stadtreinigung oder oder dem kommunalen Eigenbetrieb Leipzig / Engelsdorf. Damit wir diese Arbeit langfristig stemmen können.
Die Forderung: mehr Unterstützung und mehr Sichtbarkeit – für ein Projekt, das für viele Leipziger längst zum Alltag gehört.