Chemnitz- Heizung an oder lieber sparen? Für viele Menschen ist das längst keine einfache Entscheidung mehr. Steigende Energiepreise sorgen für Unsicherheit – vor allem bei den Nebenkosten.
Und genau hier entsteht ein Widerspruch: Während viele versuchen, ihren Verbrauch zu senken, gibt es in Chemnitz ein Wohnprojekt, bei dem genau das keine Rolle mehr spielen soll. „Also nahezu alles außer Internet ist hier in der Miete drin und ermöglicht ein gutes Kalkulieren dann auch der Mietkosten im Monat.“ Ein Satz, der erstmal Fragen aufwirft. Im sogenannten „Haus Sonne“ setzt die WCW auf ein Modell, das auf den ersten Blick ungewöhnlich wirkt: Wohnen mit festen Kosten – unabhängig vom Verbrauch. Strom, Heizung, Wasser – alles inklusive. Ein Modell, das vor allem eines verspricht: Planungssicherheit.
Doch genau hier liegt der Knackpunkt: Wenn alles im Preis enthalten ist – warum sollte man dann noch sparen? Gerade in Zeiten, in denen viele Haushalte ihren Energieverbrauch bewusst reduzieren, muss ein solches Modell nicht widersprüchlich sein, wenn es nach der Vorständin Elvira Gallas geht. Ein Teil der Antwort liegt also in der Technik.
Das Gebäude produziert einen großen Teil seiner Energie selbst – mit Photovoltaik und Stromspeicher, wie der Leiter Bestandsmanagement Henri Blanke erklärt. Viel Energieautarkie, viel erneuerbare Energie – doch ganz ohne Regeln geht es dann offenbar nicht. Denn so unabhängig das System wirken mag: Komplett grenzenlos ist auch dieses Modell nicht. Für die Vorständin zählt aber auch das Vertrauen in die neuen Mieter. Ob sich das Modell langfristig durchsetzt, bleibt offen. Fest steht aber: Gerade in Zeiten schwankender Energiepreise zeigt das Projekt, wie wichtig eigene Energiequellen werden können – und welchen Unterschied ein Stück Unabhängigkeit machen kann.