Chemnitz- Schnurrt da wirklich die Rettung für den Igel – oder nur heiße Verwaltungsluft? Ein Nachtmähverbot soll’s richten, doch ein Biologielehrer legt Widerspruch ein. Er warnt vor Denunziantentum und sieht Grundrechte gefährdet. Was also tun - rotieren oder pausieren?
Die Stadt Chemnitz will Igel besser schützen. Ein Nachtmähverbot soll seit Juni 2025 dabei helfen, die stacheligen Gartenbewohner von den Klingen der Rasenroboter fernzuhalten. Doch daran regt sich Kritik: Biologielehrer Marvin Strothmeier hält das Verbot für grundlegend falsch und hat deshalb Widerspruch gegen die Verordnung eingelegt. Seiner Ansicht nach beginnen die Probleme bereits bei der Bewertung des Risikos. Schnittverletzungen an Igelschnauzen könnten nicht eindeutig der Arbeit von Mährobotern zugeordnet werden. Es fehle schlicht an belastbaren Beweisen.
Für Strothmeier ist das auch eine Frage der Gründlichkeit – und die sieht er an anderer Stelle ebenfalls nicht gewährleistet. Die Verordnung allein sei nicht geeignet, Igel nachhaltig zu schützen. Es brauche zusätzliche Maßnahmen. Entsprechende Argumente seien im Beirat allerdings ignoriert worden. Ändere sich das zum Beispiel durch ein umfassendes Maßnahmenpaket, wäre der Widerspruch „schnell vom Tisch“.
Darüber hinaus stellt Marvin Strothmeier infrage, ob das Nachtmähverbot überhaupt nötig sei. Viele handelsübliche Mähroboter seien technisch gar nicht für nächtlichen Betrieb ausgelegt. Der eigentliche Anlass für die Verordnung sei damit fragwürdig – und führe das Ganze seiner Meinung nach ad absurdum. Was am Ende bleibe, sei – folgt man seiner Argumentation – ein Eingriff in die Grundrechte der Bürgerinnen und Bürger.
Strothmeier sieht darin den Versuch, Bürger zu erziehen, und hält das für grundlegend falsch. Zumal die Verordnung kaum kontrollierbar sei. Statt auf Vorschriften zu setzen, plädiert er dafür, an die Eigenverantwortung der Menschen zu appellieren – und warnt davor, durch solche Regelungen Denunziantentum zu fördern.
Igel könnten seiner Meinung nach auch ohne Verbote besser geschützt werden. Ein kurzgemähter Garten biete kaum Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere. Wer freiwillig auf die perfekte Rasenfläche verzichte, nicht ständig zur rotierenden Klinge greife und bewusst ein paar wilde Ecken stehen lasse, könne bereits viel für die stacheligen Mitbewohner tun – ganz ohne zusätzliche Vorschriften.