Chemnitz- Eine Rückkehr, die unter die Haut geht: Mehr als 80 Jahre nach ihrer Flucht kehrt Tana Sachs nach Chemnitz zurück in die Stadt, aus der ihre Familie einst von den Nationalsozialisten vertrieben wurde.
Tana Sachs ist im Zuge von Tacheles, dem Jahr der jüdischen Kultur, nach Chemnitz zurückgekehrt. Sie war das letzte jüdische Kind, das während der NS-Zeit in Chemnitz geboren wurde. 1938 kommt sie hier zur Welt, wenige Monate später muss ihre Familie vor den Nationalsozialisten fliehen. Später wächst sie in Argentinien auf. An vieles aus dieser Zeit kann sie sich selbst nicht erinnern, die Geschichten ihrer Familie aber begleiten sie bis heute.
Mehr als 25 Jahre nach ihrem letzten Besuch kehrt Tana Sachs nun erneut nach Chemnitz zurück. Gemeinsam mit 22 weiteren Familien trägt sie sich ins goldenen Buch der Stadt Chemnitz ein. Für sie und die weiteren anwesenden Familien ein großer Moment: Im Hotel Chemnitzer Hof kommen Familien aus aller Welt zusammen, manche begegnen sich zum ersten mal. Es wird erinnert, erzählt und sich ausgetauscht. Für Tana Sachs ist es eine Reise in eine Vergangenheit, die sie selbst nie bewusst erleben konnte und trotzdem nie vergessen hat.
Doch nicht nur im Goldenen Buch soll an die Familie erinnert werden. Auf dem Kaßberg, dort wo einst ihr Elternhaus stand, wird nun mit einem Stolperstein an ihre Mutter Hanna Luise Sachs erinnert. Das ursprüngliche Haus in der Eulitzstraße wurde im Krieg zerstört. Insgesamt wurden an diesem Tag 19 Stolpersteine an acht Orten in Chemnitz gesetzt. Als Erinnerung an Menschen, die verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden. Wie Bürgermeister Ralph Burghart erklärt, ist dieser Tag auch für die Stadt Chemnitz mehr als ein symbolischer Akt.
Heute sieht das jüdische Leben in Chemnitz ganz anders aus. Cornelia Siegel, Leiterin für euopäische und internationale Beziehungen, erzählt, dass es in Chemnitz wieder eine lebendige jüdische Gemeinschaft gibt. Erinnerung soll dabei nicht nur in die Vergangenheit blicken, sondern auch sichtbar machen, dass jüdisches Leben heute selbstverständlich zu Chemnitz gehört.
Genau das wünscht sich Tana Sachs bis heute: Dass Menschen unabhängig von Herkunft, Religion oder Kultur friedlich miteinander leben. Menschen sollen einander mit Respekt begegnen, unabhängig davon, woher sie kommen oder woran sie glauben.
Für Tana Sachs ist genau das entscheidend. Erinnerung dürfe nicht nur in der Vergangenheit bleiben. Gerade in einer Zeit gesellschaftlicher Spannungen komme es darauf an, Demokratie aktiv zu schützen — auch bei Wahlen.
Eine Botschaft, die Tana Sachs mehr als 80 Jahre nach ihrer Flucht aus Chemnitz noch immer weitergeben will. Die Erinnerungen ihrer Familie haben Tana Sachs ein Leben lang begleitet. Heute erinnern Stolpersteine in Chemnitz an ihre Geschichte.