Mi., 02.09.2026 , 16:27 Uhr

Zweites SOS-Kinderdorf Sachsens entsteht in Leipzig

In Connewitz bündelt ein neues SOS-Kinderdorf Jugendhilfe, Familienangebote und Begegnungsmöglichkeiten.

Nach mehr als zehn Jahren Planung ist das SOS-Kinderdorf in Leipzig-Connewitz angekommen. In der Windscheidstraße ist ein neuer Standort entstanden, der unterschiedliche Angebote für Kinder, Familien und Menschen aus der Nachbarschaft an einem Ort bündeln soll. Nach Angaben des Hilfswerks wurden rund 18 Millionen Euro in die Einrichtung investiert.

„Ich glaube, wir sind am Ankommen und sind auch schon angekommen in Leipzig“, sagt Einrichtungsleiterin Susann Pohle. Entscheidend wird nun sein, wie dauerhaft sich das neue Zentrum in Connewitz etabliert.

Für Sachsen ist es der zweite Standort dieser Art. Bereits seit 1991 gibt es ein SOS-Kinderdorf in Zwickau. Es war zugleich das erste SOS-Kinderdorf in Ostdeutschland.

Planungen begannen bereits 2015

Die Idee für einen weiteren Standort in Leipzig entstand bereits 2015. Die Stadt verzeichnete damals ein starkes Bevölkerungswachstum. Damit stieg auch der Bedarf an Betreuung und Unterstützungsangeboten.

Wie groß der Bereich der Jugendhilfe in Leipzig ist, zeigen Zahlen der Stadt. Im Jahr 2023 wurden im Jahresdurchschnitt rund 1.300 Minderjährige stationär im Rahmen der Jugendhilfe betreut. Hinzu kamen rund 670 Heranwachsende, die in Pflegefamilien lebten.

Die Angaben stammen aus dem Leipzig-Informationssystem des Amtes für Jugend und Familie der Stadt Leipzig zu den Hilfen zur Erziehung.

Am Standort in Connewitz sollen nun unterschiedliche Unterstützungsformen miteinander verbunden werden.

Kita, Wohngruppen und Familienzentrum an einem Ort

„Hier in unserem Kinderdorfzentrum haben wir natürlich eine Kita“, erklärt Pohle. Hinzu kommen ein Familienzentrum, zwei bereits eröffnete Wohngruppen sowie die ambulante Bereitschaftspflege.

Weitere Angebote des Familienzentrums seien geplant.

Damit unterscheidet sich der Standort auch von der klassischen Vorstellung eines Kinderdorfs als reiner Wohn- und Betreuungsort für Kinder und Jugendliche. Das Zentrum in Connewitz soll sich zugleich in den Stadtteil öffnen.

Dabei richten sich einzelne Angebote ausdrücklich an Menschen, die nicht unmittelbar mit der Jugendhilfe in Berührung kommen.

Angebote auch für ältere Leipziger

Ein Beispiel ist eine Gruppe für Menschen ab 55 Jahren, die neu nach Leipzig gezogen sind.

„Der Bedarf hat sich gezeigt, dass sich hier Menschen treffen, die einfach neu in Leipzig sind, die wegen der Enkel nach Leipzig gezogen sind“, sagt Pohle.

Damit soll das Familienzentrum auch ein Begegnungsort für Menschen werden, die in einer Großstadt neu soziale Kontakte aufbauen müssen.

Welche Angebote dort stattfinden, wird laut der Einrichtungsleiterin nicht ausschließlich von den Mitarbeitern bestimmt. Auch Wünsche aus der Nachbarschaft fließen in das Programm ein.

Dazu gehörten beispielsweise Eis im Sommer, eine Poolparty, Kreativangebote oder Veranstaltungen für Kleinkinder. Viele der inzwischen bestehenden Aktivitäten seien direkt aus solchen Rückmeldungen entstanden.

Familiencafé wird zum Treffpunkt

Ob das Konzept funktioniert, entscheidet sich letztlich daran, ob die Menschen aus Connewitz tatsächlich kommen.

Nach Einschätzung von Pohle gelingt das zunehmend. „Mittlerweile erreichen wir ganz viele verschiedene Menschen aus Connewitz mit unseren Waffeln und unserem Familiencafé, mit unseren Angeboten.“

Vor allem das Familiencafé werde von kleinen und großen Besuchern genutzt. Hinzu kommen unter anderem eine Krabbelgruppe, Samba-Percussion oder das Angebot „Singen ab 40“.

Damit treffen in dem Zentrum unterschiedliche Altersgruppen und Lebenssituationen aufeinander.

Für Pohle liegt genau darin ein wesentlicher Teil des Konzepts. Ehrenamtliche und Freiwillige unterstützten die Einrichtung, zugleich entstehe auch unter den Besuchern gegenseitige Hilfe.

„Das Miteinander, das ist der große Gewinn vom Familienzentrum“, sagt sie. Menschen würden sich gegenseitig helfen, zuhören oder einfach miteinander ins Gespräch kommen.

Wie fest verwurzelt sich der Standort in Connewitz?

Nach mehr als einem Jahrzehnt zwischen erster Idee und Umsetzung ist das zweite sächsische SOS-Kinderdorf damit in Leipzig gestartet.

Dass Angebote bereits genutzt und teilweise von den Menschen aus dem Viertel mitentwickelt werden, spricht dafür, dass das Zentrum in Connewitz erste Kontakte in die Nachbarschaft geknüpft hat.

Wie dauerhaft daraus ein Treffpunkt für Kinder, Familien und weitere Generationen im Stadtteil wird, muss sich in den kommenden Jahren zeigen.