Chemnitz- Viele Namen, die Chemnitz einst wirtschaftlich geprägt haben, sind heute nahezu vergessen. Dabei gehörten jüdische Unternehmer über Jahrzehnte zu den wichtigsten Impulsgebern der Stadt. Eine neue Ausstellung im Industriemuseum erzählt ihre Geschichten – von wirtschaftlichem Erfolg, gesellschaftlichem Engagement und ihrem Schicksal während der NS-Zeit.
Enteignung, Verfolgung, Mord – sie markieren das Ende jüdischer Unternehmer in der NS-Zeit. Doch lange bevor ihr Wirken gewaltsam beendet wurde, prägten sie Chemnitz entscheidend mit. Seit den 1870er Jahren trugen jüdische Unternehmer mit Innovationsgeist, wirtschaftlichem Erfolg und gesellschaftlichem Engagement zum Aufstieg der Stadt als Industriemetropole bei. Wie groß ihr Einfluss auf Chemnitz tatsächlich war, zeigt jetzt die neue Ausstellung „Erfolgsspuren – Jüdische Unternehmer in Chemnitz“ im Industriemuseum. Laut Kuratorin Dr. Barbara Waske begeben sich die Besucher auf die Spuren der Unternehmern, deren Firmen die Stadt über Jahrzehnte hinweg geprägt haben.
Gemeinsam mit vier Chemnitzer Kultureinrichtungen wird das Thema erstmals aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. So entsteht ein facettenreiches Bild jüdischen Lebens in Chemnitz – von wirtschaftlichem Erfolg und gesellschaftlichem Engagement bis hin zu seiner gewaltsamen Vernichtung. Für Jürgen Kabus, Leiter des Industriemuseums, besitzt die Ausstellung deshalb eine besondere Bedeutung.
Eine wichtige Grundlage der Ausstellung bilden die Forschungen des Historikers Dr. Jürgen Nitsche. Seit mehr als 25 Jahren beschäftigt er sich mit jüdischer Geschichte in Chemnitz. Besonders spannend sei dabei, wie modern jüdische Unternehmer ihrer Zeit bereits gewesen seien.
Insgesamt rückt die Ausstellung 15 Unternehmen in den Mittelpunkt, die den wirtschaftlichen Erfolg der Stadt mitprägten. Viele ihrer Gründer engagierten sich weit über ihre Betriebe hinaus für das gesellschaftliche Leben in Chemnitz. Laut Barbara Waske sind die Spuren dieses Engagements bis heute sichtbar.
Die Spuren jüdischer Unternehmer sind bis heute überall in Chemnitz zu finden. Fabriken, Geschäftshäuser und Produktionsstätten prägen das Gesicht der Stadt. Mit einer interaktiven Karte können neugierige Besucher ihnen auch außerhalb des Museums folgen und die Geschichte direkt in der Stadt entdecken. Die Ausstellung „Erfolgsspuren“ macht nun diese lange vergessenen Geschichten wieder sichtbar.