Sa., 12.09.2026 , 12:06 Uhr

Leipzig

Mehr ADHS-Diagnosen bei Kindern in Sachsen

In Sachsen steigen die ADHS-Neudiagnosen bei Kindern und Jugendlichen. Besonders bei Mädchen nimmt die Zahl deutlich zu.

Zahl der Neudiagnosen steigt um sieben Prozent

Bei immer mehr Kindern und Jugendlichen in Sachsen wird ADHS neu diagnostiziert. Im Jahr 2024 stieg die Zahl der Neudiagnosen im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent. Das geht aus dem aktuellen Kinder- und Jugendreport der Krankenkasse DAK-Gesundheit hervor.

Nach einer Hochrechnung der DAK erhielten rund 6.400 junge Menschen in Sachsen erstmals eine entsprechende Diagnose. Damit fällt der Anstieg im Freistaat geringer aus als bundesweit. Deutschlandweit lag das Plus bei 16 Prozent.

Charlotte Ballauf, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie am Städtischen Klinikum Dresden, sieht einen möglichen Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Während des Homeschoolings könnten Symptome weniger aufgefallen und Diagnosen aufgeschoben worden sein. Diese würden möglicherweise nun nachgeholt.

3,5 Prozent mit ADHS-Diagnose

ADHS zählt laut DAK zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im Kindesalter. Typische Merkmale sind Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität.

In Sachsen werden 3,5 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen drei und 17 Jahren mit einer ADHS-Diagnose medizinisch versorgt. Damit liegt der Anteil unter dem bundesweiten Durchschnitt von 5,2 Prozent.

Bei den Neudiagnosen gibt es weiterhin deutliche Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen. Rund 4.700 Jungen und 1.600 Mädchen erhielten laut Report eine neue Diagnose. Der Zuwachs fiel bei Mädchen jedoch stärker aus: Hier stieg die Zahl um elf Prozent, bei Jungen um sechs Prozent.

Expertin sieht Nachholbedarf bei Mädchen

Ballauf sieht insbesondere bei Mädchen weiterhin einen Erkenntnisrückstand. ADHS werde bei ihnen teilweise erst vergleichsweise spät erkannt.

Auf ihrer Station würden noch Jugendliche behandelt, deren ADHS bereits während der Grundschulzeit übersehen worden sei. Später könnten unter anderem Erschöpfung, psychosomatische Beschwerden oder Schulabsentismus auftreten. Nach Einschätzung der Ärztin wären einige dieser Folgen durch eine frühere Diagnose möglicherweise vermeidbar gewesen.

Die bestehenden Lücken bei Erkennung und Versorgung müssten deshalb weiter geschlossen werden.

Für die Sonderanalyse werteten Wissenschaftler des Beratungs- und Datenanalyseunternehmens Vandage sowie der Universität Bielefeld Abrechnungsdaten von rund 19.100 Kindern und Jugendlichen bis einschließlich 17 Jahren aus, die bei der DAK-Gesundheit in Sachsen versichert sind.