Do., 07.08.2025 , 14:29 Uhr

Moleküle der Zukunft: Wie Phytonährstoffe die Behandlung von Epilepsie verändern

Pflanzliche Moleküle wie CBD und Curcumin bieten neue Ansätze zur Behandlung therapieresistenter Epilepsie.

Epilepsie zählt zu den ältesten bekannten neurologischen Erkrankungen und betrifft weltweit etwa 50 Millionen Menschen. Trotz jahrzehntelanger Forschung und einer breiten Palette antikonvulsiver Medikamente bleibt ein zentrales Problem bestehen: die Therapieresistenz. Etwa 30 % der Epilepsiepatienten sprechen unzureichend oder gar nicht auf herkömmliche medikamentöse Behandlungen an. Dieser Zustand, bekannt als pharmakorefraktäre oder medikamentenresistente Epilepsie, führt häufig zu einer stark eingeschränkten Lebensqualität und ist mit einem erhöhten Risiko für Komorbiditäten und vorzeitige Mortalität verbunden. Die Ursachen für diese Resistenz sind vielfältig. Genetische Faktoren, strukturelle Hirnanomalien, Veränderungen in Neurotransmitterrezeptoren sowie gestörte Blut-Hirn-Schrankenfunktionen werden diskutiert. Gleichzeitig zeigt sich, dass viele der etablierten Wirkstoffe primär symptomatisch wirken – sie unterdrücken Krampfanfälle, ohne die zugrunde liegenden pathophysiologischen Prozesse nachhaltig zu beeinflussen.

In diesem therapeutischen Vakuum richtet sich der Blick zunehmend auf alternative Strategien, insbesondere auf Naturstoffe mit neuartigen Wirkmechanismen.

Unkonventionelle molekulare Targets

Die klassischen Antiepileptika zielen meist auf Ionenkanäle, GABAerge Inhibition oder glutamaterge Transmission. Diese Targets sind zwar therapeutisch relevant, scheinen jedoch bei therapieresistenter Epilepsie oft nicht ausreichend wirksam oder zugänglich zu sein. Neue Forschung fokussiert deshalb auf sogenannte „unkonventionelle Targets“ – darunter Signaltransduktionswege, epigenetische Regulationsmechanismen oder neuronale Entzündungsprozesse.

Ein wichtiges Beispiel ist das Endocannabinoid-System, das sowohl im zentralen Nervensystem als auch im Immunsystem eine regulierende Rolle spielt. Phytocannabinoide wie Cannabidiol (CBD) canngo.express, ein nicht-psychoaktives Molekül der Cannabispflanze, zeigten in mehreren kontrollierten Studien eine signifikante Reduktion der Anfallshäufigkeit, insbesondere bei seltenen, genetisch bedingten Epilepsieformen wie dem Dravet-Syndrom und dem Lennox-Gastaut-Syndrom. Der Wirkmechanismus ist noch nicht vollständig verstanden, scheint aber mehrere Ebenen zu umfassen, von der neuronalen Erregbarkeit über die Unterdrückung von Entzündungen bis hin zur Modulation der intrazellulären Kalziumdynamik. Ein weiteres interessantes Target ist die mTOR-Signalkaskade, die bei bestimmten Epilepsien (z. B. tuberöse Sklerose) überaktiviert ist. Einige Naturstoffe – darunter bestimmte Polyphenole – zeigen in präklinischen Modellen eine hemmende Wirkung auf diesen Signalweg, was eine Normalisierung neuronaler Aktivität zur Folge haben kann.

Naturstoffe mit neurotroper Wirkung

Die Suche nach pflanzlichen Molekülen mit antiepileptischem Potenzial konzentriert sich zunehmend auf sogenannte Phytonährstoffe – bioaktive Verbindungen aus Pflanzen, die über ernährungsphysiologische Wirkungen hinausgehen. Anders als klassische Arzneistoffe zeichnen sich viele Phytonährstoffe durch multifaktorielle Wirkmechanismen aus, was gerade bei komplexen Erkrankungen wie Epilepsie von Vorteil sein könnte.

Einige Beispiele:

Diese Moleküle wirken nicht isoliert, sondern entfalten in pflanzlichen Extrakten oft synergistische Effekte, was neue Perspektiven für komplexe Formulierungen in der antiepileptischen Therapie eröffnet. Besonders interessant sind Kombinationen mit bekannten Nährstoffen wie Magnesium, Vitamin B6 oder Omega-3-Fettsäuren, die die neuronale Reizweiterleitung stabilisieren und neuroprotektive Funktionen unterstützen können.