Fr., 08.09.2023 , 15:38 Uhr

Moritzer Hengstparade startet in die 99. Saison

Moritzburg (dpa/sn) - Eine fast hundertjährige Tradition begeistert jährlich im Herbst tausende Besucher aus dem In- und Ausland.

Der idyllische Ort zieht nicht nur Züchter aus nah und fern an. Zur ersten Hengstparade dieser Saison ist bestes Spätsommerwetten angekünigt. Dabei präsentieren Ross und Reiter Dressurerfolge sowie Gespannvorführungen für das Publikum. Die ersten drei Veranstaltungen sind restlos ausverkauft, nur für die letzte Vorstellung gibt es noch vereinzelt Restkarten. Durch bestehende Bauarbeiten, für die neue Multifunktionsreithalle sind die Stehplätze nicht verfügbar. Dadurch liegt die Besucheranzahl deutlich unter dem normalen Durchschnitt mit 5500 statt 6500, so teilte uns die Geschäftsführerin des Landgestüts, Kati Schöpke, am Freitag gegenüber der Deutschen Presse-Agentur mit.

Die edlen Pferde aus Sachsen stehen in den kommenden drei Wochenenden erneut im Mittelpunkt. Bei der traditionellen Moritzburger Hengstparade werden rund 135 majestätische Vierbeiner mit prächtiger Mähne und elegantem Schweif vorgeführt. Die 99. Saison dieser einzigartigen Veranstaltung beginnt diesen Samstag mit einem bemerkenswerten Ehrengast: Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) nahm erstmals die Einladung an - eine Premiere für das Gestüt!

 

Für Schöpke ist die Zusage des Ministers ein Beweis für den gestiegenen Ruf dieser nach wie vor klassischen Veranstaltung. "Ich bin überzeugt, dass die Reputation der Moritzburger Parade in den letzten Jahren erheblich gewachsen ist", sagte sie. Der gute Ruf erstreckt sich mittlerweile über ganz Europa. "Wir haben oft Gäste aus Tschechien und Polen, aber auch aus den Niederlanden, Dänemark und Litauen. In diesem Jahr verzeichnen wir sogar ein erhöhtes Interesse aus Großbritannien", fügte sie hinzu. Schöpke erinnerte daran, dass das Gestüt im Jahr 1986 einmal 24 Rappen an die Horse Guard der englischen Königin geliefert hat. "Das war ein bedeutender Moment, der dazu beigetragen hat, die fast ausgestorbenen Schweren Warmblüter wieder ins Rampenlicht zu rücken und das Zuchtbuch erneut zu öffnen."

Nach den Reitpferden ist diese Rasse heute die zweitstärkste Zucht im Moritzburger Gestüt. "In den 1970er Jahre erlebten die schweren Warmblüter ihrne Tiefpunktda durch die Technisierung keine Arbeitspferde mehr gefragt waren" erklärte die Landesstallmeisterin. In den letzen Jahren gab es einen enormen Aufschwung der Nachfragen, da diese Rasse besonders ausgeglichene und zuverlässige Partner im Freizeitbereich sind. Zudem sind diese Warmblüter auch sehr gefragt im internationalem Fahrsport.

In Bezug auf die Reitpferde betonte Schöpke, dass das Gestüt derzeit über eine beeindruckende Auswahl an erstklassigen Hengsten verfügt. Dazu gehören beispielsweise "Landskron", der aktuelle Landesmeister im Springreiten, sowie "Lanzelot", der Bundeschampion bei den Schweren Warmblütern. Diese herausragenden Hengste bereichern das Portfolio des Gestüts und stehen Züchtern in Sachsen und Thüringen zur Verfügung. Darüber hinaus besteht auch eine hohe Nachfrage aus dem In- und Ausland, die dank moderner Methoden wie künstlicher Besamung bedient werden kann.

Schöpke erklärte, dass die Einnahmen aus der Hengstparade in den letzten Jahren dazu beigetragen haben, die steigenden Kosten zu kompensieren. Diese Kosten betreffen vor allem Futter, Düngemittel und Samen für die Grünlandbewirtschaftung sowie den steigenden Dieselpreis. Zusätzlich nehmen auch die Personalkosten und allgemeinen Ausgaben kontinuierlich zu. Trotzdem bleibt der Ausbau des Landgestüts auf Kurs. Bis Mitte 2025 soll die große Multifunktionsreithalle von internationalem Standard fertiggestellt sein. Schöpke betonte, dass diese Halle im Winter eine wichtige Struktur mit mittlerer Kapazität bieten wird, die bisher in Sachsen fehlte, insbesondere für regionale Nutzungen.

Die erste Moritzburger Hengstparade fand 1924 statt, und im nächsten Jahr wird das 100. Jubiläum gefeiert, wie Schöpke mitteilte. Lediglich die beiden Weltkriege führten zu Unterbrechungen dieses spektakulären Events. Die Hengstparade ist der jährliche Höhepunkt im Landgestüt, das im Jahr 1828 auf Initiative des sächsischen Königs Anton der Gütige gegründet wurde. Im Jahr 1952 wurde es verstaatlicht, und seit 1990 befindet es sich im Besitz des Pferdezuchtverbandes Sachsen. Seit 2009 wird das Landgestüt kontinuierlich modernisiert, wobei Leistungsprüfungen für Hengste und Stuten durchgeführt werden und Pferdewirte ausgebildet werden.