Mo., 27.04.2026 , 10:56 Uhr

IHK-Umfrage zeigt steigende Kosten und fragile Lieferketten

Nahostkonflikte belasten Sachsens Firmen

Sachsens Unternehmen spüren die Folgen der Nahostkonflikte deutlich. Laut IHK-Umfrage belasten vor allem höhere Energie- und Transportkosten.

Dresden/Chemnitz/Leipzig - Die aktuellen Nahostkonflikte wirken sich zunehmend auf die sächsische Wirtschaft aus. Das geht aus einer sachsenweiten Befragung der Industrie- und Handelskammern Chemnitz, Dresden und Leipzig hervor. Die Befragung fand im Rahmen der Konjunkturumfrage im Frühjahr 2026 statt. Rund 1.500 Unternehmen beteiligten sich daran.

Nach Angaben der IHKs sind die Konflikte für viele Betriebe inzwischen kein abstraktes Risiko mehr, sondern eine reale wirtschaftliche Belastung. Besonders steigende Kosten, unsichere Lieferketten und verunsicherte Absatzmärkte treffen Unternehmen branchenübergreifend. Dadurch werde die Wettbewerbsfähigkeit vieler Betriebe spürbar eingeschränkt.

Energie- und Transportkosten besonders betroffen

Besonders deutlich zeigt sich die Belastung bei Energie- und Transportkosten. 84 Prozent der befragten Unternehmen geben an, höhere Kosten bereits zu spüren oder zu erwarten. Knapp 40 Prozent berichten zudem von sinkenden Aufträgen beziehungsweise rückläufiger Nachfrage.

Rund 29 Prozent der Unternehmen melden Unterbrechungen oder Umwege in ihren Lieferketten. Knapp 36 Prozent schätzen die Geschäftsrisiken bei einem anhaltenden Konflikt als hoch oder sehr hoch ein. Weitere gut 26 Prozent erwarten moderat erhöhte, aber nach eigener Einschätzung noch beherrschbare Risiken.

Nur rund zehn Prozent der Unternehmen sehen derzeit keine spürbaren Auswirkungen auf ihr Geschäft. Ein Viertel der Befragten kann mögliche Folgen noch nicht abschätzen.

Industrie, Verkehr und Tourismus besonders betroffen

Nach Angaben der IHKs zeigen sich die Auswirkungen besonders stark in der Industrie, im Verkehrsgewerbe sowie in Gastronomie und Tourismus. Dort treffen höhere Energie- und Transportkosten, unsichere Lieferketten und eine vorsichtigere Nachfrage die Betriebe besonders deutlich.

In den offenen Antworten der Befragung nennen viele Unternehmen Preissteigerungen bei Rohstoffen, Energie und Vorleistungen. Hinzu kommen zunehmende Planungsunsicherheit sowie eine spürbare Kaufzurückhaltung bei Kundinnen und Kunden. Mehrere Betriebe berichten zudem von verschobenen Investitionen, Projektabbrüchen und wachsender Verunsicherung bei Verbrauchern und Auftraggebern.

Aus Sicht der Kammern werden neben strategischen Anpassungen auch wirtschaftliche Risiken bis hin zu möglichen Existenzgefährdungen genannt.

IHKs fordern strukturelle Entlastungen

Die sächsischen IHKs sehen kurzfristige Entlastungen, etwa bei Kraftstoffpreisen, nicht als ausreichend an. Solche Maßnahmen könnten Unternehmen zwar vorübergehend helfen, lösten aus Sicht der Kammern aber keine strukturellen Probleme.

Gefordert werden grundlegende Reformen der Sozialversicherungssysteme, um Lohnnebenkosten nachhaltig zu senken. Außerdem sprechen sich die IHKs für mehr Arbeitsanreize im Steuer- und Sozialsystem, eine breite und dauerhafte Senkung der Stromsteuer sowie eine umfassende Modernisierung staatlicher Verfahren aus. Ziel sei es, Abläufe zu beschleunigen und Investitionen zu erleichtern.

Max Jankowsky, Präsident der IHK Chemnitz und Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der sächsischen IHKs, kritisierte in diesem Zusammenhang rein kurzfristige Maßnahmen. Die Zapfsäule sei kein Wirtschaftsprogramm. Wenn Betriebe in Sachsen entlastet werden sollten, brauche es Strukturreformen bei Sozialabgaben, Steuern und Energiepreisen und keine Symbolpolitik.