Dresden - Sachsen stellt die frühkindliche Bildung neu auf. Bei der Fachveranstaltung „Kita der Zukunft – Elementare Bildung als Startchance“, dem sogenannten Kita-Kongress, wurde der neue Sächsische Erziehungs- und Bildungsplan vorgestellt. An der Veranstaltung nahmen unter anderem Ministerpräsident Michael Kretschmer und Kultusminister Conrad Clemens sowie Vertreter aus Fachpraxis, Wissenschaft, Politik und Verwaltung teil.
Im Mittelpunkt standen Chancen und Herausforderungen der frühkindlichen Bildung in Sachsen. Der neue Erziehungs- und Bildungsplan soll künftig die Grundlage für die pädagogische Arbeit in Kinderkrippen, Kindergärten, Horten und Kindertagespflegestellen bilden. Er versteht Bildung als einen Prozess, der auf Erziehung aufbaut, und beschreibt zentrale Leitgedanken für die Begleitung, Bildung und Betreuung von Kindern.
Ministerpräsident Michael Kretschmer betonte im Rahmen des Kongresses die Bedeutung der frühkindlichen Bildung. Sachsen sei im bundesweiten Vergleich Spitzenreiter im Bildungsranking. Damit das so bleibe, müsse die frühkindliche Bildung eine noch größere Wertschätzung erfahren. Sie sei die entscheidende Startchance für jedes Kind. Zugleich verwies Kretschmer auf die finanzpolitische Verantwortung des Freistaats. Kitas bräuchten eine verlässliche und auskömmlichere Finanzierung sowie eine starke Partnerschaft mit den Kommunen.
Auch Kultusminister Conrad Clemens sieht weiteren Handlungsbedarf. Aus seiner Sicht könne Sachsen in der frühkindlichen Bildung noch mehr erreichen. Dafür brauche es eine verpflichtende Untersuchung von Vierjährigen und einen Plan für gezieltere Förderung. Der Sächsische Erziehungs- und Bildungsplan stelle die Kinder in den Mittelpunkt und biete Orientierung mit klaren Leitgedanken, praxisnahen Reflexionsfragen und modernen pädagogischen Ansätzen, unter anderem zur digitalen Bildung.
Der neue Plan ist eine Weiterentwicklung des bisherigen Sächsischen Bildungsplans. Sachsen hatte bereits 2006 als eines der ersten Bundesländer einen Bildungsplan als Grundlage für die pädagogische Arbeit in Kindertageseinrichtungen entwickelt und verbindlich im Gesetz über Kindertagesbetreuung verankert. Die Fortschreibung soll aktuelle fachliche Entwicklungen aufgreifen und unterschiedliche Bildungs- und Entwicklungsverläufe von Kindern berücksichtigen.
Der Prozess zur Evaluation und Fortschreibung wurde im Oktober 2024 gestartet. Nach Angaben des Kultusministeriums waren über unterschiedliche Formate mehr als 6.500 Personen beteiligt. Ziel war es, Erfahrungen aus der Praxis, wissenschaftliche Perspektiven und fachliche Anforderungen in die Weiterentwicklung einzubeziehen.
Inhaltlich umfasst der neue Erziehungs- und Bildungsplan unter anderem Aspekte der Partizipation, Demokratiebildung, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Vielfalt und Inklusion. Auch der reflektierte Umgang mit digitalen Medien ist Bestandteil des Plans. Darüber hinaus enthält er Anregungen zur pädagogischen Praxis und zur fachlichen Reflexion.
Der Bildungsplan stellt das Kind als Akteur seiner eigenen Entwicklung in den Mittelpunkt. Pädagogische Fachkräfte und Kindertagespflegepersonen sollen Kinder auf ihrem individuellen Entwicklungsweg begleiten, fördern und unterstützen. Dabei geht es nicht nur um Betreuung, sondern auch um Bildungsqualität, Chancengerechtigkeit und gelingende Übergänge im Bildungssystem.
Der neue Sächsische Erziehungs- und Bildungsplan tritt am 1. Januar 2027 in Kraft. Bis dahin dient das Dokument als Orientierung, um die Einführung in der Praxis vorzubereiten.
Gleichzeitig machte der Kita-Kongress deutlich, dass die Weiterentwicklung der frühkindlichen Bildung eng mit strukturellen Fragen verbunden ist. Neben pädagogischen Zielen geht es auch um Finanzierung, Fachkräfte, kommunale Verantwortung und die Rahmenbedingungen in den Einrichtungen. Gerade vor dem Hintergrund sinkender Kinderzahlen und finanzieller Belastungen stehen viele Kitas in Sachsen vor der Aufgabe, Bildungsqualität langfristig zu sichern.