Dresden - Sachsen sieht dringenden Handlungsbedarf in der frühkindlichen Bildung. Kultusminister Conrad Clemens (CDU) verweist auf einen wachsenden Anteil von Kindern mit Entwicklungsdefiziten. Nach seinen Angaben verfügten mehr als ein Drittel der Vorschüler nicht mehr über ausreichende Kompetenzen in Deutsch. Das sei jedoch nur die Spitze des Eisberges, sagte Clemens der Deutschen Presse-Agentur. Auffälligkeiten gebe es in fast allen Bereichen.
Mit dem neuen Erziehungs- und Bildungsplan will der Freistaat verbindlichere Ziele für die Arbeit in Kindertageseinrichtungen setzen. Dabei geht es nicht nur um Bildung im engeren Sinne, sondern auch um Erziehung, Persönlichkeitsentwicklung und bessere Übergänge zwischen Kita und Schule. Der Plan soll pädagogischen Fachkräften als wissenschaftliche Grundlage, Orientierung und eine Art Lehrplan dienen.
Clemens hatte den neuen Plan Anfang Mai vorgestellt. Dass nun die Erziehung an erster Stelle steht, sorgte in der Fachwelt für Aufmerksamkeit. Der Minister betonte jedoch, damit sei keine Rückkehr zu autoritären Erziehungsvorstellungen gemeint. Es gehe vielmehr darum, einen neuen Akzent zu setzen. Frühkindliche Bildung umfasse mehr als das Erlernen erster Buchstaben.
Ein Schwerpunkt liegt auch auf dem Umgang mit digitalen Medien. Clemens sagte, im Zeitalter digitaler Medien müsse stärker über Persönlichkeitsentwicklung nachgedacht werden. Eltern seien ihren Kindern beim Medienkonsum nicht immer ein gutes Vorbild. In vielen Familien werde zu Hause weniger gesprochen und weniger gemeinsam unternommen. Auch deshalb müssten sich Kitas Kindern fundierter widmen.
Der neue Erziehungs- und Bildungsplan soll am 1. Januar in Kraft treten. Clemens sieht die Zeit bis zur Einführung nicht als zu knapp an. Die Einrichtungen sollen konkrete Anwendungshilfen erhalten, um den Plan in eigener Regie umzusetzen. Begleitende Materialien würden derzeit erarbeitet.
Trotz Spardrucks soll es nach Angaben des Ministers bei der Umsetzung keine Abstriche geben. Auch eine zusätzliche Belastung des Personals sieht Clemens durch die Qualifizierung nicht. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hatte dagegen befürchtet, dass die ohnehin stark belasteten Kitas weiter unter Druck geraten könnten.
Nach Angaben des Kultusministers bietet der Freistaat Schulungen und Materialien an. Die Aneignung des Erziehungs- und Bildungsplanes könne in der Vor- und Nachbereitungszeit erfolgen. Clemens verglich den Plan mit einem Lehrplan, dessen Einführung ebenfalls nicht automatisch mit einer Verbesserung des Personalschlüssels verbunden sei.
Bei der Finanzierung verweist der Minister auf eine Erhöhung eines Teils der Kita-Finanzierung. Pro Kind würden nun 367 Euro im Jahr an die Kommunen gezahlt. Zudem habe man sich auf eine Dynamisierung der Kita-Pauschale verständigt. Die Kommunen könnten selbst entscheiden, ob sie zusätzliche Mittel für Personal einsetzen, Kitas trotz rückläufiger Kinderzahlen erhalten oder den Personalschlüssel verbessern wollen.
Clemens unterstützt außerdem die auf Bundesebene geplante Untersuchung von vierjährigen Kindern. Damit sollen Sprach- und Entwicklungsdefizite frühzeitig erkannt und anschließend gezielter gefördert werden. Voraussetzung sei aus seiner Sicht jedoch, dass der Bund dafür die nötigen finanziellen Mittel bereitstellt.
Das geplante Qualitätsentwicklungsgesetz des Bundes müsse aus Sicht des Ministers rasch kommen und auch einen Sozialindex berücksichtigen. Besonders unterstützt werden sollten demnach Einrichtungen, in deren Umfeld es soziale Problemlagen gibt.
Einen bundesweiten Bildungsplan für alle Kinder hält Clemens dagegen nicht für notwendig. Bildung sei Ländersache. Zugleich spricht er sich für gemeinsame Vorgaben und deutschlandweite Standards als Konsequenz aus einem verbindlichen Screening der Vierjährigen aus. Ziel sei es, Kinder gezielter zu fördern und die zwei Jahre bis zum Schuleintritt besser zu nutzen.