So., 08.03.2026 , 11:58 Uhr

Neuer Leiter fürs Völkerschlachtdenkmal

Das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig zählt mit 91 Metern Höhe zu den größten Denkmälern Europas. Seit einigen Monaten steht die monumentale Anlage unter der Leitung des britischen Historikers Crawford Matthews. Der 34-Jährige will das Denkmal nicht nur verwalten, sondern neue Perspektiven auf seine Geschichte eröffnen und die Anlage stärker für Besucher öffnen.

Monument zwischen Patriotismus und Erinnerung

Das 1913 eröffnete Bauwerk erinnert an die Völkerschlacht bei Leipzig im Jahr 1813. Mit seiner monumentalen Architektur aus Granitporphyr gilt es als eindrucksvolles, zugleich aber auch umstrittenes Symbol deutscher Erinnerungskultur. Matthews beschreibt das Denkmal als beeindruckend, aber auch ambivalent. Die gewaltige Größe lasse Besucher klein erscheinen – ein Effekt, der von den Erbauern bewusst beabsichtigt gewesen sei.

Historiker mit internationalem Blick

Der neue Leiter ist Experte für englisch-preußische Geschichte und kam für seine Doktorarbeit nach Deutschland. Nach Leipzig führte ihn zunächst ein Fußballspiel von RB Leipzig gegen die Glasgow Rangers. Erst danach beschäftigte er sich intensiver mit dem Denkmal, das im Volksmund häufig „Völki“ genannt wird.

Schwierige Geschichte des Denkmals

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde lange diskutiert, wie mit dem monumentalen Bauwerk umzugehen sei. Einige forderten damals sogar den Abriss. Stattdessen wurde das Denkmal umfassend saniert. Bis 2024 flossen rund 40 Millionen Euro in die Restaurierung der Anlage.

Ausstellung soll stärker ins Denkmal rücken

Für die Zukunft plant Matthews Veränderungen bei der Ausstellung zur Völkerschlacht. Diese soll aus einem Nebengebäude direkt in das Denkmal verlegt werden. Jährlich besuchen rund 300.000 Menschen das Bauwerk. Viele von ihnen steuern vor allem die Aussichtsplattform an, die einen weiten Blick über Leipzig bietet.

Denkmal als Ort für die Stadtgesellschaft

Der neue Leiter möchte das Denkmal stärker als offenen Ort für die Bevölkerung entwickeln. Schon heute nutzen viele Leipziger das Gelände rund um das Monument für Freizeitaktivitäten. Jogger trainieren regelmäßig auf den zahlreichen Treppen des Bauwerks. Im Winter verwandelt sich das Wasserbecken vor dem Denkmal bei Frost häufig in eine improvisierte Eisfläche für Schlittschuhläufer. Matthews sieht darin eine Chance: Das Völkerschlachtdenkmal könne künftig stärker zu einem Ort für die Gemeinschaft werden.