Mo., 09.03.2026 , 10:35 Uhr

Rund 15.000 Besucher seit Eröffnung in Chemnitz

NSU-Dokumentationszentrum zieht erste Bilanz

Das NSU-Dokumentationszentrum in Chemnitz zieht nach seinem ersten Jahr eine positive Bilanz. Rund 15.000 Menschen besuchten die Ausstellung zum rechtsextremen Terror des NSU.

Chemnitz - Das bundesweit erste Dokumentationszentrum zum Terror des rechtsextremen „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) in Chemnitz zieht nach seinem ersten Jahr eine positive Zwischenbilanz. Rund 15.000 Besucherinnen und Besucher haben die Einrichtung seit ihrer Eröffnung im Mai 2025 besucht.

Das Zentrum war Teil des Programms zur Kulturhauptstadt Europas in Chemnitz. Mit der Dauerausstellung „Offener Prozess“ erinnert es an die Opfer der rechtsextremen Mordserie des NSU. Insgesamt zehn Menschen wurden zwischen 2000 und 2007 von der Terrorzelle ermordet: Enver Simsek, Abdurrahim Özüdogru, Süleyman Tasköprü, Habil Kilic, Mehmet Turgut, Ismail Yasar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubasik, Halit Yozgat und die Polizistin Michèle Kiesewetter.

Persönliche Gegenstände erinnern an die Opfer

Die Ausstellung zeigt neben Aquarellporträts auch persönliche Gegenstände der Opfer. Dazu gehören Familienfotos, Postkarten und eine Gebetskette. Auch eine Dienstmütze sowie eine Taschenuhr als Erbstück sind Teil der Ausstellung.

Das Konzept der Schau geht über eine reine Gedenkausstellung hinaus. Thematisiert werden unter anderem das langjährige Versagen von Ermittlungsbehörden bei der Aufklärung der Mordserie, die deutsche Migrationsgeschichte sowie Kontinuitäten rechtsextremen Terrors in Deutschland. Zudem werden offene Fragen im NSU-Komplex aufgegriffen, etwa zu geschredderten oder weiterhin unter Verschluss gehaltenen Akten.

Neben der Ausstellung umfasst das Dokumentationszentrum auch ein Archiv zum NSU-Komplex sowie Räume für Bildungsarbeit und Partizipation.

Große Nachfrage nach Bildungsangeboten

Nach Angaben der Geschäftsführerin Nora Krzywinski waren im vergangenen Jahr sämtliche Angebote stark nachgefragt. Viele Veranstaltungen seien ausgebucht gewesen, einige Anfragen hätten sogar abgelehnt werden müssen.

Auch für das laufende Jahr gebe es bereits zahlreiche Anfragen. Das Zentrum möchte künftig verstärkt migrantische Gruppen und Menschen ansprechen, die von Rassismus und rechtsextremer Gewalt betroffen sind. Niedrigschwellige Angebote sollen ihnen stärker Raum bieten.

Finanzierung weiterhin eine Herausforderung

Um die Arbeit über das Kulturhauptstadtjahr hinaus fortzuführen, wurde eine neue gemeinnützige GmbH als Träger gegründet. Die Finanzierung für das laufende Jahr beträgt rund 2,6 Millionen Euro. Den größten Teil übernimmt das Land Sachsen, ein kleinerer Anteil kommt vom Bund.

Die Finanzierung müsse jedoch weiterhin regelmäßig neu gesichert werden. Zwar habe das Land Sachsen eine Förderung bis 2028 in den Haushalt aufgenommen, dennoch bleibe die langfristige Absicherung eine Herausforderung.

Weitere Veranstaltungen geplant

Im Jahr 2026 sind mehrere Veranstaltungen geplant. Dazu zählen unter anderem eine Filmreihe zu jüdischem und migrantischem Leben, Workshops zum Thema Hip-Hop als widerständige Kultur sowie ein Kinder- und Nachbarschaftsfest.

Im Oktober soll zudem das Theaterstück „Auch Deutsche unter den Opfern“ von Tuğsal Moğul gezeigt werden, das das Staatsversagen im NSU-Komplex thematisiert und die Perspektive der Angehörigen der Opfer in den Mittelpunkt stellt. Außerdem ist ein Konzert des queeren Chores canta:re aus Berlin geplant.

Im Herbst soll außerdem der 15. Jahrestag der Selbstenttarnung der NSU-Terrorzelle im November mit Veranstaltungen in Chemnitz und Zwickau aufgegriffen werden.

Chemnitz und Zwickau galten über Jahre als Rückzugsorte der aus Thüringen stammenden NSU-Terrorzelle. Das Kerntrio lebte dort lange unbehelligt und organisierte von hier aus seine Mordserie sowie mehrere Bombenanschläge und Raubüberfälle.