Dresden - Das Nymphenbad im Dresdner Zwinger wird derzeit umfassend saniert. Die Arbeiten erfolgen unter Leitung der Niederlassung Dresden I des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement, kurz SIB. Ausgeführt werden sie von Steinbildhauern und Restauratoren der Zwingerbauhütte.
Seit Anfang Juni schützt eine Einhausung die historische Brunnenkaskade vor Regen und anderen Witterungseinflüssen. Gleichzeitig schafft sie geeignete Bedingungen für die Arbeiten an den Sandsteinoberflächen, Skulpturen und weiteren Bauteilen.
Die Sanierung soll nach derzeitigem Plan im Spätherbst abgeschlossen werden. Die letzte umfangreiche Instandsetzung des barocken Brunnens war im Jahr 2008 beendet worden.
Die jahrelange Nutzung des Brunnens hat sichtbare Spuren hinterlassen. Das Wasser fließt üblicherweise von Mai bis Oktober durch die Anlage. Der dauerhafte Kontakt mit Wasser belastet besonders den vergleichsweise weichen Sandstein.
Auf den Oberflächen haben sich zudem Flechten, Moose und Algen angesiedelt. Diese organischen Ablagerungen können in die Struktur des Steins eindringen und ihn langfristig schädigen.
Ein weiteres Problem ist ausgewaschener Kalk aus den Fugenmörteln. Er hat sich als hartnäckiger Schleier auf Wänden und Skulpturen abgesetzt. Die Restauratoren müssen diese Schichten entfernen, ohne die historische Substanz unnötig zu beeinträchtigen.
Bei der Sanierung kommen spezialisierte handwerkliche Verfahren zum Einsatz. Die Kalkablagerungen werden vorsichtig mechanisch bearbeitet. Verwendet werden dabei unter anderem traditionelle Werkzeuge wie Knüpfel und Meißel sowie verschiedene Bürsten.
Zusätzlich können die Kalkschichten mit Ameisensäure gelöst werden. Flechten, Moose, Algen und andere organische Beläge werden mit Wasserdampf von den Oberflächen entfernt.
Die unterschiedlichen Methoden werden an die jeweiligen Schäden und Bauteile angepasst. Ziel ist es, die Ablagerungen zu beseitigen und zugleich möglichst viel von der historischen Sandsteinsubstanz zu erhalten.
Ein Schwerpunkt der Arbeiten ist die Entsalzung des Sandsteins. Salze können in das Gestein eindringen und dort Schäden verursachen. Um sie zu entfernen, bringen die Fachleute Kompressen aus Zellstoff und Ton auf die betroffenen Stellen auf.
Die Kompressen werden zuvor mit entmineralisiertem Wasser getränkt. Sie sollen die im Stein vorhandenen Salze aufnehmen und aus dem Material herausziehen. Dieser Vorgang wird mehrfach wiederholt.
Chemische Untersuchungen zeigen anschließend, wie hoch die Salzkonzentration im Gestein noch ist. Die Behandlung wird so lange fortgesetzt, bis die Proben eine unbedenkliche Konzentration ergeben.
Parallel zur Reinigung und Entsalzung bearbeitet das Team der Zwingerbauhütte bereits erodierte Bereiche. Verlorene oder stark beschädigte Steinpartien werden nachgeformt.
Auch die sogenannten Prallsteine werden erneuert. Diese Bauteile sind dem auftreffenden Wasser besonders stark ausgesetzt. Für die Sanierung entstehen detailgetreue Nachbildungen, damit die historischen Originale künftig geschont werden können.
Für die Dauer der Arbeiten wurden wichtige bildhauerische Elemente aus dem Nymphenbad entfernt. Dazu gehören filigrane Figuren der Balustrade sowie die zentralen Skulpturengruppen mit Darstellungen antiker Meeresgötter und Nymphen.
Die Figuren wurden mithilfe eines Krans demontiert und in die Werkstätten der Zwingerbauhütte gebracht. Dort werden sie unter kontrollierten Bedingungen restauriert.
Nach Abschluss der Arbeiten sollen die Skulpturen im Herbst wieder an ihre angestammten Plätze im Nymphenbad zurückkehren.
Das Nymphenbad wurde zwischen 1712 und 1719 errichtet. Die Anlage geht auf den Architekten Matthäus Daniel Pöppelmann zurück und besteht aus Sandstein aus dem Elbsandsteingebirge.
Fertiggestellt wurde das Nymphenbad anlässlich der Hochzeit des sächsischen Kurprinzen Friedrich August II. mit Maria Josepha von Österreich. Die Brunnenanlage gehört zum barocken Gesamtensemble des Dresdner Zwingers.