Roboter im Operationssaal sind längst keine Zukunftsvision mehr. In Sachsen kommen sie an mehreren Kliniken regelmäßig zum Einsatz. Besonders in der Urologie unterstützen die Systeme Ärzte bei komplizierten Eingriffen an Prostata oder Niere. Am Universitätsklinikum Dresden werden OP-Roboter bereits seit 20 Jahren genutzt. Mehr als 4.100 Eingriffe wurden dort bislang mit robotischer Unterstützung durchgeführt. Neben dem bekannten System DaVinci arbeitet die Klinik seit 2023 auch mit dem Robotik-System Hugo.
Präzise Eingriffe auf kleinem Raum
Für die Ärzte liegt der größte Vorteil in der hohen Genauigkeit der Technik. Die Roboter ermöglichen minimalinvasive Eingriffe auf engem Raum. Gesteuert werden sie weiterhin vollständig von erfahrenen Operateuren. Professor Christian Thomas, Leiter der Klinik und Poliklinik für Urologie am Dresdner Universitätsklinikum, sieht in der Robotik die Zukunft vieler Operationen. Besonders häufig werde die Technik bei Prostata-Operationen eingesetzt. In Dresden erfolgen inzwischen mehr als 95 Prozent dieser Eingriffe robotisch. Trotzdem bleibe die klassische offene Chirurgie weiterhin wichtig. Je nach Vorerkrankungen oder früheren Operationen könne sie für Patienten die bessere Wahl sein.
Schnellere Erholung für Patienten
Auch für Patienten bringt die Technik Vorteile. Weil die Eingriffe schonender erfolgen, können sich viele Betroffene schneller erholen. Das zeigt auch der Fall des Musikers Gerd Grötzschel. Der ehemalige Solo-Bratscher des HR-Sinfonieorchesters wurde wegen eines Prostatakarzinoms in Dresden operiert. Nach Operation und Reha konnte er bereits nach wenigen Wochen wieder musizieren. Besonders wichtig sei für ihn gewesen, möglichst schnell in den Konzertalltag zurückzukehren.
Mehr Komfort auch für Ärzte
Die Robotik erleichtert nicht nur die Eingriffe, sondern verbessert laut den Medizinern auch die Arbeitsbedingungen im OP. Operateure arbeiten an einer Steuerkonsole und sitzen dabei ergonomischer als bei langen klassischen Operationen. Allerdings fehle den Robotern bislang noch das sogenannte taktile Feedback. Ärzte könnten also nicht fühlen, wie weich oder hart Gewebe ist. Deshalb bleibe weiterhin viel Erfahrung notwendig.
Sachsen baut Robotik weiter aus
Das Universitätsklinikum Dresden plant noch in diesem Jahr die Einrichtung eines Zentrums für operative Robotik. Dort sollen verschiedene Fachbereiche enger zusammenarbeiten und die Forschung weiter vorangetrieben werden. Auch am Klinikum Chemnitz spielt die Technik eine immer größere Rolle. Dort wurde kürzlich die Marke von 1.000 Operationen mit dem Robotiksystem Versius überschritten. Die Klinik sieht in der Verbindung aus menschlicher Erfahrung und technischer Präzision die Zukunft der Chirurgie.