Mi., 06.05.2026 , 11:55 Uhr

21-jähriger US-Amerikaner schildert Tat im Prozess in Dresden

Opfer sagt nach Tram-Messerangriff aus

Nach dem Messerangriff in einer Dresdner Straßenbahn hat das Opfer im Prozess ausgesagt. Der junge US-Amerikaner schilderte die Tat.

Dresden - Im Prozess um einen Messerangriff in einer Dresdner Straßenbahn hat am Mittwoch ein 21 Jahre alter US-Amerikaner als Opfer ausgesagt. Der gelernte Notfallsanitäter aus New York schilderte vor dem Dresdner Landgericht, wie er die Tat im August 2025 erlebt hat und welche Folgen der Angriff bis heute für ihn hat.

Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur wird der junge Mann ein Leben lang von der Messerattacke gezeichnet bleiben. Er erlitt bei dem Angriff eine erhebliche Schnittverletzung im Gesicht. Die Narbe wolle er jedoch nicht durch eine Schönheitsoperation beseitigen lassen. Für ihn sei die Narbe „okay“, sagte der 21-Jährige vor Gericht. Seinen früheren Job als Model könne er seit der Verletzung aber nicht mehr ausüben, da er nicht mehr gebucht werde.

Die Staatsanwaltschaft wirft zwei aus Syrien stammenden Männern im Alter von Anfang 20 vor, den damals 20-jährigen New Yorker in der Nacht zum 24. August 2025 in einer Straßenbahn am Neustädter Markt angegriffen zu haben. Der Mann war nach eigenen Angaben mit zwei Begleitern unterwegs.

Laut seiner Aussage wollte er einer jungen Frau helfen. Diese sei von einem der Angeklagten angeschrien und geschlagen worden. Der US-Amerikaner ging dazwischen. Daraufhin sei auch er von diesem Mann geschlagen worden. Anschließend habe er von der Seite ein Klickgeräusch gehört, das er mit einem Springmesser verglich. Kurz darauf habe ihm der andere Mann ins Gesicht gefasst. Den eigentlichen Schnitt habe er zunächst nicht als Messerangriff wahrgenommen.

Das Opfer schilderte vor Gericht, es habe sich eher wie ein schwacher Schlag angefühlt. Danach sei sein Gesicht jedoch taub und feucht gewesen. Später wurden Schnittverletzungen am Augenlid, an der Nase, an der Lippe und auch im Mund festgestellt. Nach seinem Eindruck habe der Angriff auf seine Halsschlagader zielen sollen.

Fahrgäste in der Straßenbahn hätten dem Verletzten Taschentücher gereicht, um die Wunde zu versorgen. In einem Dresdner Krankenhaus wurde der junge Mann anschließend notoperiert. Nach seinen Angaben blieb er drei Tage dort. Seine Nase sei mit 40 Stichen genäht worden. Zunächst habe er nicht durch die Nase atmen können, inzwischen habe er damit aber keine Probleme mehr.

Neben den körperlichen Folgen sprach der 21-Jährige auch über psychische Auswirkungen. Seit der Tat achte er bewusster darauf, was um ihn herum geschehe. Ängstlich sei er nach eigenen Worten jedoch nicht.

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Angeklagten gefährliche beziehungsweise schwere Körperverletzung sowie weitere Straftaten vor. Dazu zählen mehrere Körperverletzungen, teils ebenfalls gefährliche Körperverletzungen. Bei einem der Beschuldigten kommt zudem der Vorwurf eines besonders schweren räuberischen Diebstahls hinzu.

Beide Männer sind laut dpa geringfügig vorbestraft und befinden sich in Untersuchungshaft. Einer der Angeklagten hat die Tat teilweise gestanden, der andere machte bislang keine Angaben. Da es sich bei den Beschuldigten um Heranwachsende handelt, wird der Fall vor einer Jugendkammer verhandelt.

Wann das Urteil fällt, ist noch unklar.

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