Fr., 23.10.2026 , 10:02 Uhr

Porträt von Herzog Georg dem Bärtigen ergänzt die Reformationsausstellung

Original-Cranach auf Schloss Rochlitz zu sehen

Ein Originalgemälde von Lucas Cranach dem Älteren bereichert Schloss Rochlitz. Das Porträt von Herzog Georg dem Bärtigen ist künftig als Dauerleihgabe zu sehen.

Rochlitz - Ein bedeutendes Kunstwerk hat seinen Platz auf Schloss Rochlitz gefunden. Ein Originalporträt von Herzog Georg dem Bärtigen, gemalt von Lucas Cranach dem Älteren, ergänzt ab sofort die Dauerausstellung zur Reformationsgeschichte. Das Gemälde stammt aus Privatbesitz und wurde dem Schloss als Dauerleihgabe überlassen. Besucher können das Werk noch bis zum Saisonende am 1. November 2026 besichtigen.

Das 80 mal 64,6 Zentimeter große Ölgemälde ist im historischen Palassaal im Südflügel des Schlosses ausgestellt. Es ersetzt eine bisher gezeigte Reproduktion und ermöglicht damit erstmals an diesem Standort die unmittelbare Betrachtung des Originals. Das auf Eichenholz gemalte Porträt wird auf die Zeit nach 1537 datiert.

Frank Schmidt, Museologe und Kurator der Schlossausstellung, bezeichnet die Leihgabe als besonderen Gewinn: „Die Möglichkeit, das Gemälde dauerhaft in Rochlitz zeigen zu dürfen, ist ein absoluter Glücksfall und wertet die Dauerausstellung enorm auf.“

Herzog Georg der Bärtige als Gegner Martin Luthers

Das Gemälde zeigt Herzog Georg den Bärtigen von Sachsen in schwarzem Gewand mit der Ordenskette des Goldenen Vlieses. Besonders auffällig ist sein langer Vollbart, der zu seinem Erkennungszeichen wurde. Nachdem seine Frau Barbara im Jahr 1534 gestorben war, ließ sich der zuvor glatt rasierte Herzog einen Bart wachsen.

Georg übernahm bereits 1488 im Alter von 17 Jahren die Regentschaft im albertinischen Herzogtum Sachsen. Während seiner jahrzehntelangen Herrschaft entwickelte sich das Land wirtschaftlich weiter. Vor allem der Silberbergbau trug zu einem bedeutenden Aufschwung bei.

In religiösen Fragen vertrat Georg eine entschieden katholische Haltung. Nach dem Leipziger Religionsgespräch von 1519 stellte er sich gegen Martin Luther und bekämpfte die Ausbreitung reformatorischer Ideen innerhalb seines Herrschaftsgebiets. Damit gehörte er zu den bedeutenden politischen Gegnern der Reformation in Sachsen.

Schloss Rochlitz als Schauplatz religiöser Konflikte

Die Geschichte von Schloss Rochlitz ist eng mit den Auseinandersetzungen der Reformationszeit verbunden. Eine zentrale Rolle spielte dabei Herzogin Elisabeth von Rochlitz, die in ihrer Wittumsherrschaft den protestantischen Glauben einführte.

Damit stellte sie sich gegen die religiöse Überzeugung ihres katholischen Schwiegervaters Herzog Georg des Bärtigen, der in Dresden regierte. Die unterschiedlichen Glaubensvorstellungen führten zu Spannungen innerhalb des sächsischen Fürstenhauses.

Die Auseinandersetzungen verdeutlichen, dass die Reformation nicht ausschließlich eine religiöse Bewegung war. Sie beeinflusste auch politische Machtverhältnisse und die Beziehungen zwischen den Herrschaftshäusern.

Mit dem Originalporträt Georgs des Bärtigen erhält die Ausstellung nun ein weiteres Exponat, das diese historischen Gegensätze veranschaulicht. Während Herzogin Elisabeth für die Einführung der Reformation in Rochlitz steht, repräsentiert Georg die katholische Gegenposition.

Originalgemälde ergänzt Ausstellung zur Reformation

Schloss Rochlitz liegt am Lutherweg und widmet sich seit 2015 in einem eigenen Ausstellungsbereich der Reformationsgeschichte in der Region.

Das neue Gemälde ergänzt die Ausstellung sowohl aus kunsthistorischer als auch aus geschichtlicher Perspektive. Lucas Cranach der Ältere zählt zu den bekanntesten Malern der Reformationszeit. Sein Porträt von Herzog Georg dem Bärtigen verbindet die künstlerische Darstellung eines sächsischen Herrschers mit den politischen und konfessionellen Konflikten des 16. Jahrhunderts.

Der private Leihgeber möchte ungenannt bleiben. Das Original soll dauerhaft auf Schloss Rochlitz ausgestellt werden.

Öffnungszeiten und Eintritt auf Schloss Rochlitz

Interessierte können das Cranach-Gemälde noch bis zum 1. November 2026 während der regulären Öffnungszeiten besichtigen. Anschließend beginnt die Winterpause, die lediglich während der sächsischen Winterferien unterbrochen wird.

Mit dem Originalporträt von Herzog Georg dem Bärtigen erhält Schloss Rochlitz ein bedeutendes Zeugnis sächsischer Geschichte. Das Gemälde macht einen der zentralen Gegenspieler Martin Luthers sichtbar und ergänzt die Ausstellung um eine weitere Perspektive auf die Reformationszeit.