Dresden - Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter reist mit einer Wirtschaftsdelegation nach Taiwan und Vietnam. Ziel der Reise ist es, bestehende wirtschaftliche Beziehungen auszubauen, neue Kontakte zu knüpfen und das Auslandsgeschäft sächsischer Unternehmen stärker zu diversifizieren.
Die Reise wird gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH organisiert. Südostasien zählt nach Angaben des Wirtschaftsministeriums zu den wichtigsten Außenhandelsmärkten für Sachsen. Durch neue Partnerschaften sollen auch einseitige Abhängigkeiten in internationalen Lieferbeziehungen verringert werden.
Bis zum 2. September hält sich Panter zunächst in Taiwan auf. Vom 3. bis 8. September stehen anschließend Termine in Vietnam auf dem Programm.
In Taiwan konzentriert sich die Delegation insbesondere auf die Halbleiterindustrie und die Gewinnung neuer Investoren. Der Freistaat will sich dort als Technologie- und Investitionsstandort präsentieren.
Eine wichtige Rolle spielt dabei der Ausbau der Halbleiterindustrie in Sachsen. Mit dem Bau der neuen Chipfabrik des taiwanischen Halbleiterkonzerns TSMC im Joint Venture ESMC in Dresden haben sich die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Sachsen und Taiwan weiter intensiviert.
Wirtschaftsminister Panter verweist zudem auf die wachsende Investitionsdynamik in der Branche und die Bedeutung widerstandsfähiger Lieferketten.
In Taipeh besucht Panter erneut die SEMICON Taiwan, eine der bedeutenden Halbleitermessen Asiens. Auf dem EU Investment Forum will der Wirtschaftsminister unter anderem über die Ansiedlung von Chipherstellern in Sachsen sprechen.
Weitere Termine sind eine Pressekonferenz zum Kulturaustausch „Saxony meets Taiwan“, ein Netzwerkabend sowie Gespräche mit potenziellen Investoren und Industrieverbänden.
Begleitet wird Panter unter anderem von Vertretern sächsischer Kammern, Abgeordneten des Landtags sowie Experten aus Forschung und Halbleiterwirtschaft. Auch die Wirtschaftsbürgermeister von Leipzig und Dresden nehmen an der Reise teil.
Die Wirtschaftsförderung Sachsen will den Standort gemeinsam mit Dresden, Leipzig und Chemnitz am German Pavilion der SEMICON präsentieren. Dabei sollen Kompetenzen, verfügbare Flächen und Kooperationsmöglichkeiten in Sachsen vorgestellt werden.
Nach Angaben von WFS-Geschäftsführer Thomas Horn reichen mögliche wirtschaftliche Schnittmengen zwischen Sachsen und Taiwan dabei über die Halbleiterindustrie hinaus.
Vom 3. bis 8. September reist die Delegation weiter nach Vietnam. Dort stehen Umwelt- und Energietechnik, Wasserwirtschaft, Infrastruktur sowie das Thema Fachkräfte im Mittelpunkt.
Vietnam wird von der sächsischen Staatsregierung als Wachstumsmarkt für Unternehmen aus dem Freistaat gesehen. Chancen sieht das Wirtschaftsministerium unter anderem bei Kooperationen, Technologietransfer, neuen Absatzmärkten und möglichen Produktionsstandorten.
Zum Auftakt sind in Hanoi Gespräche mit Vertretern der Ministerien für Handel sowie Bauen und Infrastruktur geplant. Außerdem soll sich Panter mit staatlichen Behörden aus den Bereichen Bahntechnik und Fachkräfte austauschen. Unternehmensbesuche und Investorengespräche gehören ebenfalls zum Programm.
Anschließend reist der Wirtschaftsminister nach Hoa Binh. Dort will er eine Wasseraufbereitungsanlage des Leipziger Unternehmens Aone Deutschland AG besichtigen.
Damit ist auch ein konkretes Leipziger Wirtschaftsprojekt Teil der Delegationsreise. Die Vietnam-Reise endet schließlich in Ho-Chi-Minh-Stadt. Dort sind ein Gespräch mit dem Chairman der Stadt sowie Besichtigungen von Infrastrukturprojekten vorgesehen.
Zuletzt war 2018 eine Delegation unter Leitung des sächsischen Wirtschaftsministers in Vietnam.
Die wirtschaftlichen Beziehungen zu Taiwan haben für Sachsen zuletzt an Bedeutung gewonnen. Im Jahr 2025 verbesserte sich Taiwan unter den sächsischen Exportpartnern um einen Rang auf Platz elf.
Die sächsischen Ausfuhren nach Taiwan stiegen gegenüber dem Vorjahr um 9,8 Prozent auf einen Warenwert von 1,74 Milliarden Euro. Damit wurde die drittbeste Exportbilanz Sachsens mit Taiwan erreicht. Den mit Abstand größten Anteil hatten Erzeugnisse der Elektrotechnik mit einem Warenwert von rund 1,2 Milliarden Euro.
Auch die Importe aus Taiwan legten deutlich zu. Taiwan rückte in der sächsischen Importbilanz um vier Plätze auf Rang zwölf vor. Die Einfuhren stiegen um 31,3 Prozent auf 891,7 Millionen Euro.
Gefragt waren vor allem Erzeugnisse aus Elektrotechnik und Maschinenbau sowie Fahrräder, chemische Vorerzeugnisse und Eisen-, Blech- und Metallwaren.
Auch der Handel mit Vietnam hat für Sachsen ein relevantes Niveau erreicht. Sächsische Unternehmen exportierten 2025 Waren im Wert von 120 Millionen Euro nach Vietnam. Dazu gehörten insbesondere chemische Vor- und Enderzeugnisse sowie Produkte des Maschinen- und Kraftfahrzeugbaus.
Die Einfuhren aus Vietnam lagen allerdings deutlich darüber. Sie erreichten einen Warenwert von 351,3 Millionen Euro und damit einen neuen Bestwert.
Den Hauptanteil bildeten Erzeugnisse der Elektrotechnik, des Maschinenbaus sowie der Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik. Auch Bekleidung aus Seide und Chemiefasern wurde aus Vietnam nach Sachsen eingeführt. Im Vergleich der sächsischen Handelspartner belegte Vietnam Platz 23.
Die Delegationsreise soll nun dazu beitragen, bestehende Verbindungen zu vertiefen und zusätzliche wirtschaftliche Kontakte zwischen Sachsen, Taiwan und Vietnam aufzubauen.