Di., 08.09.2026 , 13:59 Uhr

Lehrerverbände und SPD drängen auf Reformen bei Kitas, Schulen und Lehrplänen

PISA 2025: Sachsen fordert Konsequenzen

Die PISA-Studie 2025 zeigt neue Tiefstwerte für Deutschland. SLV, GEW und SPD Sachsen fordern Konsequenzen für Kitas, Schulen und Bildungspolitik.

Dresden - Die Ergebnisse der PISA-Studie 2025 sorgen auch in Sachsen für deutliche Reaktionen. Nach Angaben des Sächsischen Lehrerverbands erreichen 15-Jährige in Deutschland in Naturwissenschaften, Lesen und Mathematik die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der Erhebungen. Rund ein Fünftel der Jugendlichen erreicht demnach in keinem der drei Bereiche ausreichende Basiskompetenzen.

Zugleich wird der Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Status und Kompetenzniveau als besonders stark beschrieben. Eigene Länderergebnisse für Sachsen weist PISA nicht aus. Die GEW Sachsen verweist deshalb auf den IQB-Bildungstrend 2024: Dort gehörte Sachsen zwar zur Spitzengruppe, dennoch verfehlte nach Gewerkschaftsangaben jeder fünfte Neuntklässler den Mindeststandard in Mathematik.

SLV will früher mit der Förderung beginnen

Der Sächsische Lehrerverband sieht einen entscheidenden Ansatzpunkt bereits in der frühkindlichen Bildung. Landesvorsitzender Michael Jung fordert, sinkende Kinderzahlen in Sachsen nicht zum Anlass für einen Abbau pädagogischen Personals zu nehmen. Frei werdende Kapazitäten sollten stattdessen für bessere Personalschlüssel und eine intensivere individuelle Förderung genutzt werden.

„Wer über Basiskompetenzen mit 15 Jahren spricht, muss zehn Jahre früher ansetzen“, erklärt Jung. Vor allem die sprachliche und kognitive Entwicklung müsse bereits im Kita-Alter stärker unterstützt werden.

Der SLV drängt zudem auf die Umsetzung eines kostenlosen und verpflichtenden Vorschuljahres, das CDU und SPD nach Angaben des Verbands im Koalitionsvertrag vereinbart haben. Damit sollen unterschiedliche Voraussetzungen vor dem Schuleintritt stärker ausgeglichen werden.

Kritik an Sprachförderung und Lehrerabordnungen

Handlungsbedarf sieht der Lehrerverband auch beim Unterricht in Deutsch als Zweitsprache. Nach Darstellung des SLV würden DaZ-Stunden inzwischen pauschaler nach Klassen- und Gruppengröße vergeben und nicht ausreichend am tatsächlichen Förderbedarf einzelner Kinder ausgerichtet. Der Verband fordert deshalb eine bedarfsgerechte Zuweisung und die Anerkennung von Deutsch als Zweitsprache als eigenständiges Unterrichtsfach.

Kritisiert werden zudem verstärkte Abordnungen von Grundschullehrkräften an Oberschulen. Nach Ansicht des SLV werde damit der Personalmangel lediglich verschoben. Gerade an Grundschulen würden jedoch jene Kompetenzen in Lesen und Mathematik vermittelt, auf denen die weitere Schullaufbahn aufbaue.

GEW fordert Bildungsdialog und mehr Unterstützung

Auch die GEW Sachsen sieht die PISA-Ergebnisse als Bestätigung eines grundlegenden Handlungsbedarfs. Landesvorsitzender Burkhard Naumann fordert einen breit angelegten Bildungsdialog im Freistaat mit verbindlichen Vereinbarungen.

Die Gewerkschaft legt dabei einen besonderen Schwerpunkt auf Bildungsgerechtigkeit. Nach ihrer Einschätzung entscheidet der soziale Hintergrund weiterhin stark über den Bildungserfolg. Schulen mit besonders hohem Unterstützungsbedarf sollten deshalb gezielt mehr Personal und finanzielle Mittel erhalten.

Die GEW fordert unter anderem den Ausbau von Schulsozialarbeit und multiprofessionellen Teams sowie zusätzliche Mittel für Deutsch als Zweitsprache, Ganztagsangebote und Schulbudgets. Auch Abordnungen von Lehrkräften sowie fach- und schulartfremder Unterricht werden von der Gewerkschaft kritisiert.

SPD fordert neue Lehrpläne und Anpassung des Schulgesetzes

Auch aus der Landespolitik kommen Forderungen nach Veränderungen. Gerald Eisenblätter, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, bezeichnet die PISA-Ergebnisse als „Weckruf“.

Nach seiner Auffassung sollten die sächsischen Lehrpläne stärker auf Kompetenzorientierung und die Lebenswelt der Schüler ausgerichtet werden. Neben dem Vermitteln und Festigen von Basiskompetenzen brauche es mehr Raum für lebensnahes Lernen, kritische Analyse, Reflexion und Medienkompetenz.

Als Grundlage für die weitere Modernisierung verweist Eisenblätter auf das Vorhaben „Bildungsland Sachsen 2030“.

Mehr Investitionen in Kitas und Übergang zur Schule

Ähnlich wie SLV und GEW setzt auch die SPD einen Schwerpunkt auf die ersten Bildungsjahre. Eisenblätter fordert zusätzliche Investitionen in die frühkindliche Bildung sowie einen besseren Übergang vom Kindergarten in die Schule.

Dazu gehöre aus seiner Sicht ein ganzheitliches Konzept vom Vorschuljahr über die Schuleingangsphase bis hin zum längeren gemeinsamen Lernen. Zudem spricht er sich für einen Ausbau des rhythmisierten Ganztags an Grundschulen aus.

Eisenblätter betont zugleich die Bedeutung zusätzlicher Unterstützung an Schulen. Neben Lehrkräften brauche es verlässliche Strukturen mit Assistenzen und Schulsozialarbeit sowie gezielte Förderung an Standorten mit besonderen Bedarfen.

Lehrerstellen sollen trotz sinkender Schülerzahlen stabil bleiben

Der SPD-Bildungspolitiker verweist außerdem auf die aktualisierte Lehrerbedarfsprognose. Demnach soll die Zahl der Lehrerstellen in Sachsen trotz sinkender Kinderzahlen bis 2032 konstant bleiben.

Aus Sicht Eisenblätters reicht dies allein jedoch nicht aus. Er fordert zusätzlich eine Novellierung des sächsischen Schulgesetzes. Damit sollen unter anderem neue Formen der Lernentwicklung im digitalen Zeitalter ermöglicht und wohnortnahe Schulangebote abgesichert werden.

Mehrere Akteure sehen strukturellen Reformbedarf

SLV, GEW und SPD setzen bei ihren Forderungen unterschiedliche Schwerpunkte, sehen aber insbesondere bei frühkindlicher Förderung, personeller Ausstattung und Bildungsgerechtigkeit Handlungsbedarf.

Während der SLV unter anderem ein verpflichtendes Vorschuljahr, bedarfsgerechte Sprachförderung und weniger Lehrerabordnungen verlangt, fordert die GEW einen Bildungsdialog sowie zusätzliche Ressourcen für besonders belastete Schulen. Die SPD-Fraktion bringt darüber hinaus eine Überarbeitung der Lehrpläne und eine Novellierung des Schulgesetzes ins Spiel.

Damit dürfte die Frage, welche konkreten Konsequenzen Sachsen aus den PISA-Ergebnissen zieht, auch die anstehenden bildungspolitischen und haushaltspolitischen Beratungen beschäftigen.