So., 14.12.2025 , 15:00 Uhr

Kultgeschirr bekommt frischen Anstrich

Porzellan aus Meißen: „Raus aus der Vitrine, rein ins Leben“

Mit neuen Designs und frischen Ideen will die Porzellan-Manufaktur Meissen jüngere Kunden ansprechen - und raus aus der Verlustzone. Wie gelingt der Spagat zwischen Tradition und Innovation?

Modernisierung im Alltag

Kaffeebecher für unterwegs, Teller in knalligen Farben oder Weihnachtskugeln: Meissener Porzellan zeigt sich längst vielseitiger als das klassische Tafelservice bei Oma.

Wir wollen raus aus der Vitrine, rein ins Leben.

sagt Geschäftsführer Tillmann Blaschke, der seit rund zehn Jahren die Manufaktur leitet. Die Produkte sollen zeitgemäß sein und den Bedürfnissen heutiger Kunden und Kundinnen entsprechen. Während handbemalte Figuren vor allem in Asien gefragt sind, liegt der Trend in Deutschland zunehmend bei Geschirr für Pasta, Sushi oder Ramen. Alltagsgeeignete Drucke ergänzen die klassische Porzellanmalerei.

Neue Märkte im Fokus

Die Manufaktur setzt auf Expansion: 2026 soll der achte Store in China eröffnet werden. Auch in den USA, der Golfregion sowie in Südostasien sieht Blaschke großes Potenzial, darunter Singapur, Malaysia, Thailand und die Philippinen. In Thailand etwa verkauft Meissen bereits an die Königsfamilie. Ziel ist, kontinuierliche Geschäftsstrukturen aufzubauen.

Finanzielle Lage und Perspektive

2024 konnte die Manufaktur zwar noch keine schwarzen Zahlen schreiben, verbuchte aber ein Umsatzwachstum von fünf bis zehn Prozent, im Webshop sogar zweistellig.

Das gibt Vertrauen, dass die Arbeit in die richtige Richtung geht.

so Blaschke.

Die älteste Porzellan-Manufaktur Europas hatte nach einem fehlgeschlagenen Umbau zum Luxuskonzern Millionenverluste angehäuft. Mit der Rückbesinnung auf das Kerngeschäft soll die Wende gelingen. Corona, Energiekrise und der Wegfall des russischen Marktes belasteten zusätzlich. 2023 lag das operative Ergebnis bei minus 3,6 Millionen Euro, der Umsatz sank auf 31,2 Millionen Euro.

Tradition trifft Innovation

In Meißen arbeiten derzeit 480 Menschen, darunter 40 Auszubildende und 120 Porzellanmaler:innen. Bundesweit wird nur hier die handwerkliche Porzellanmalerei ausgebildet.

300 Jahre Wissen müssen bewahrt und weitergegeben werden

betont Blaschke. Jährlich besuchen rund 200.000 Menschen die Manufaktur, die Hälfte aus Deutschland.

Staatsunterstützung

Sachsens Finanzminister Christian Piwarz hebt die Bedeutung der Manufaktur hervor:

Das europäische Porzellan wurde hier erfunden und hergestellt.

Die Manufaktur sei kein Museum, sondern ein lebendiger Produktionsbetrieb, der sich den Marktbedürfnissen stelle. Der Freistaat prüft, wie er kulturell unterstützend eingreifen kann, steht aber zum Fortbestand der Manufaktur.

Blaschke zeigt sich optimistisch:

Wenn sich die gesamtwirtschaftliche Lage bessert, haben wir gute Chancen, wieder schwarz zu werden.