So., 08.03.2026 , 09:03 Uhr

Protest für Zukunft des VW-Werks Zwickau

Beschäftigte von Volkswagen haben gemeinsam mit ihren Familien in Zwickau für den Erhalt der Automobilproduktion demonstriert. Sie fordern eine langfristige Perspektive für den traditionsreichen Standort in Westsachsen. Der Betriebsratsvorsitzende Mario Albert betonte bei der Kundgebung die Bedeutung der Branche für die Region: Sachsen sei mit dem Automobilbau groß geworden, und das solle auch in Zukunft so bleiben.

Sorge um die Zeit nach 2030

Der Standort Zwickau gilt derzeit nur bis zum Jahr 2030 als gesichert. Viele Beschäftigte fragen sich deshalb, wie es danach weitergeht. Betriebsratsvize Mike Rösler appellierte an Politik, Unternehmen und Belegschaft, gemeinsam für den Standort zu kämpfen. Ziel sei es, auch nach 2030 weiterhin Fahrzeuge mit dem Volkswagen-Logo in Zwickau zu bauen.

Sparprogramm sorgt für Unruhe

Zusätzliche Verunsicherung brachte zuletzt ein Bericht über ein mögliches Sparprogramm beim Autobauer. Demnach sollen die Kosten bis 2028 deutlich reduziert werden. Hintergrund sind unter anderem schwächere Verkaufszahlen in China sowie neue US-Zölle. Bereits eine Tarifvereinbarung von Ende 2024 sieht vor, bundesweit rund 35.000 Stellen sozialverträglich abzubauen. Werkschließungen wurden jedoch ausgeschlossen.

Arbeitsplatzverluste am Standort

Auch das Werk in Zwickau hat bereits Stellen verloren. Insgesamt rund 1.200 Arbeitsplätze wurden abgebaut – etwa durch altersbedingte Abgänge, Aufhebungsverträge oder auslaufende befristete Verträge. Außerdem wurde die Produktion reduziert: Statt drei Schichten werden inzwischen nur noch zwei gefahren. In den kommenden Jahren sollen zudem mehrere Modelle an andere Standorte verlagert werden.

Neue Perspektive durch Kreislaufwirtschaft

Gleichzeitig soll der Standort ein neues Geschäftsfeld erhalten. Ab 2030 plant Volkswagen in Zwickau den Ausbau der sogenannten Kreislaufwirtschaft. Dabei könnten jährlich bis zu 15.000 Fahrzeuge aufbereitet, zerlegt oder recycelt werden. Einzelne Bauteile sollen wiederverwendet oder Rohstoffe zurückgewonnen werden. Laut Plan könnten dadurch rund 1.000 Arbeitsplätze gesichert werden.

Elektromobilität bleibt Schwerpunkt

Im Werk Zwickau werden ausschließlich Elektroautos produziert. Aktuell gibt es an einer Produktionslinie sogar Mehrarbeit: Die Spätschicht arbeitet länger, zusätzlich wird eine Sonderschicht pro Woche gefahren. Betriebsrat und Beschäftigte sehen in der Elektromobilität weiterhin die Zukunft. Voraussetzung seien jedoch bessere Rahmenbedingungen, etwa beim Ausbau der Ladeinfrastruktur, beim Strompreis und bei einheitlichen Bezahlsystemen.

Betriebsratswahl steht bevor

In der kommenden Woche wählen die Beschäftigten zudem einen neuen Betriebsrat. Rund 8.200 Mitarbeiter sind stimmberechtigt. Neben der traditionell starken IG Metall treten zwei weitere Listen an, um die insgesamt 35 Sitze im Gremium.